Augure, SeherDie Fähigkeit aus besonderen Zeichen die Zukunft voraussagen zu können, wird Sehern (auch: Orakel, Propheten, Auguren, Eingeweideschauer) zugesprochen. Schon die Völker der Antike wollten ihr Geschick im voraus erfahren und so wird im Asterix-Abenteuer "Der Seher" dieses Thema zum Inhalt einer Geschichte.

Schon auf Seite 6 kommt Lügfix in diesem Album vor, der bis zuletzt neben den Galliern und dem ebenso leichtgläubigen Zenturio Gaius Ausgus des Römerlagers Kleinbonum eine gewichtige Rolle spielt, nachdem er bei einem Gewitter im Dorf der Gallier Schutz sucht und nur die Skepsis von Asterix fürchten muss, während alle anderen Dorfbewohnern seinen schönen Versprechungen Glauben schenken.

Sehr schön wird auf Seite 9 die Rolle der Seher, Auguren und Interpreten der sibyllinischen Bücher anhand eines gedanklichen Einschubes in der eigentlichen Geschichte erklärt. Während einige Propheten die Zukunft aus dem Fluge der Vögel und dem Appetit der heiligen (gestopften) Gänse deuten, lesen viele vor allem aus den Eingeweiden der Opfertiere. Obwohl das Resultat nicht immer überzeugend ist, befragten selbst die Allergrößten wie Julius Cäsar die Auguren. Der Text resümiert, dass es eigentlich Scharlatane sind, die von der Leichtgläubigkeit, der Angst und dem Aberglauben der Menschen leben. Klammer zu.

EingeweideschauVor allem das Lesen aus den Eingeweiden wird während des Gewitters in der Häne thematisiert, als Lügfix erklärt, dass man aus gebratenen Wildschweinen sehr schlecht, aus kleinen Hunden aber sehr gut lesen könne. Dass Obelix diesem Vorschlag rein gar nichts abgewinnen kann, scheint klar. Also beeindruckt Lügfix die Bewohner des Dorfes mittels eines Fisches von Verleihnix von seinen mutmasslichen Fähigkeiten. Dabei erklärt er, dass die Seher ihre Lektüre oft beim Fischhändler kaufen und ein Text erklärt zusätzlich, dass sich deshalb die Tradition erhalten habe, dass auch heute noch die Fischhändler ihre Ware in Zeitungen einwickeln, damit die Käufer etwas zu lesen hätten.

In der rechts abgebildeten Szene von Seite 10, in der Lügfix einen Fisch seziert, wird übrigens auf das Gemälde "Die Anatomie des Dr. Tulp" von Rembrandt angespielt.

In der Antike war die Weissagekunst von sehr großer Bedeutung, wobei die Seher (griechisch: Mantis) vom griechischen Geschichtsschreiber Diodorus Sicilus (etwa 80 - 29 v.Chr.) in seinen Werken genau beschrieben werden. Die Auguren traten als Deuter göttlicher Zeichen auf. Dabei ging es nicht um die Voraussage von zukünftigen Ereignissen, sondern um die Zustimmung der Götter zu einer beabsichtigten Handlung. Im Falle fehlender Akzeptanz sollte man besser auf die Tat verzichten, denn ansonsten würde sie misslingen. Es versteht sich von selbst, dass sich das augurium nur schwer von der Zukunftsdeutung trennen lässt.

In der Begleitung von Magistraten und Senatoren praktizierten dagegen die Seher (Haruspices) die Eingeweideschau. Bei den Sehern handelte es sich um Priester, die erst gegen Ende der Republik in einem Kollegium zusammengefasst wurden. Sie waren Spezialisten der Weissagung. Das Wort Haruspex dürfte sich von har(u)- für Darm und spex (zu lat. specio = sehen, schauen) herleiten.

Ihre wichtigste Aufgabe war die Deutung von Zeichen, die sie im Auftrag des Senats vornahmen. Vor allem in Begleitung von Magistraten fungierten sie als Seher. Obwohl in der Disciplina Etrusca Leberbeschau und Blitzdeutung in einem Atemzug genannt werden, scheint ihre Kompetenz hierbei nicht benötigt worden zu sein. Die Deutung von Blitzen war in Rom eine Domäne der Auguren.