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30 gallische Abenteuer (Teil I)

Artikel aus dem ehemaligen Asterix Portal von meome.de.
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Gute Hefte, schlechte Hefte - eine Rückschau auf 32 Jahre Asterix in Deutschland. Heute lesen Sie: `Asterix der Gallier´ bis `Asterix bei den Olympischen Spielen´.

Im kommenden Frühjahr wird der 31. Band erscheinen. Was wird das neue Heft bringen? In der Vergangenheit hat die Qualität nach Meinung vieler Leser nachgelassen und sogar Asterix musste sich Kritik gefallen lassen. Grund genug, auf die bisher erschienen 30 Bände zurückzublicken und alle Abenteuer Revue passieren zu lassen.

Seinen Einstand in Albenform gab 'Asterix der Gallier' in Deutschland 1968 mit einer Erstauflage von 6000 Exemplaren. Sehr gut kann man im Vergleich zu neuen Heften die Entwicklung der Zeichnungen verfolgen. Für das verwöhnte Auge sind die Charaktere noch sehr kantig gezeichnet, einige Bewohner des Dorfes, wie zum Beispiel Majestix, seine Frau Gutemine und der Fischverkäufer Verleihnix oder auch der Dauerzwist zwischen Automatix, dem Schmied, und Methusalix, finden noch keine Beachtung und entwickeln sich erst in späteren Veröffentlichungen zu fein herausgearbeiteten Darstellern. Die Geschichte selbst ist amüsant erzählt und ab den Szenen im Lager Kleinbonum auch spannend. Man bemerkt, dass Uderzo und Goscinny die von den Käufern der Hefte geliebten Pointen und Anspielungen auf die Neuzeit in dieser ersten Geschichte noch nicht berücksichtigt haben. Von der Wertigkeit ist dieser Band ebenso wie 'Die goldene Sichel', für den die gleichen Kriterien wie oben gelten, etwa im unteren Drittel anzusiedeln.

Der Besuch in Ägypten in 'Asterix und Kleopatra' kann besser gefallen als das deutsche Debut des Galliers. Die Pointen sind zielsicherer und ein besonderer Reiz ensteht im allgemeinen auch durch die Karikatur der jeweiligen landestypischen Kultur. Ganz allgemein - bis auf wenige Ausnahmen - kann man deshalb sagen, dass Reisen der Gallier immer bessere Geschichten ergeben als Abenteuer, die sich im Einzugsbereich des Dorfes abspielen.

Der in Deutschland als drittes Heft erschienene Band 'Asterix als Gladiator' ist trotz der noch hakeligen, weil frühen, Zeichnungen das erste Highlight. Zu verdanken ist dieser Umstand sicherlich auch Troubadix, dessen jämmerliche Stimme hier von den Autoren zum ersten Mal auf's Korn genommen wird. Hier wurden auch französische Eigennamen von den Übersetzern noch nicht übersetzt, es sei dahingestellt, ob dies bewusst, aus noch mangelndem Verständnis oder aus Furcht vor allzu eigenwilligen Eigenschöpfungen erfolgte. Die schlagkräftige Befreiung von Troubadix in Rom durch Asterix und Obelix gereicht einer Slapstick-Komödie. Ausserdem darf eine Szene aus diesem Band nicht unerwähnt bleiben: Die erste Begegnung des gallischen Dorfes mit den Piraten.

Ebenso einen Platz im vorderen Drittel der Serie hat sich 'Der Kampf der Häuptlinge' verdient. Neben dem eigentlich Ringkampf der Häuptlinge und der Parodie des gallisch-römischen Dorfes sei insbesondere die Eule erwähnt, die gemeinsam mit dem Legionär Handzumgrus zur schönsten Szenerie dieses Bandes beiträgt. Der Band 'Tour de France' pointiert zwar herzensfrisch das berühmte Radrennen in Frankreich und kann auch mit einigen Bezügen zum heutigen Gallien und Karikaturen aufwarten, aber der wirkliche Kick fehlt. Womöglich weil viele Pointen auf französische Leser zugeschnitten sind und beim deutschen Publikum nicht mehr als ein leichtes Schmunzeln erzeugen können. Zwar hat Idefix seinen ersten Auftritt, mehr als ein kleines Plus bleibt unter dem Strich aber nicht übrig. Resultat: Einer der weniger guten Bände, aber zweifellos meist noch besser, als das, was nach dem Tod von Gosinny entstanden ist.

Dem deutschen Publikum zugänglicher ist zweifellos 'Asterix bei den Goten', gerade wegen des Bezuges zum zackigen Germanien, wo als oberste Prinzipien Drill, Sauberkeit und Ordnung stehen. Trotzdem ist dieser Band selten bei den Genannten, wenn es um die Nennung des Lieblingsbandes geht. Woran liegt das? Vielleicht weil es die Deutschen nicht mögen, selbst karikiert zu werden? Oder weil diese Zusammenhänge aus einem Deutschland der frühen 60er Jahre entstanden sind, wozu heute kaum noch emotionale Bezüge bestehen. Auch die sehr passende Frakturschrift kann da nichts mehr retten. 'Asterix bei den Briten' ist das genaue Gegenteil. Sehr treffend werden Urteile und Vorurteile über das etwas andere Leben auf der britischen Insel zu einer glanzvollen Komödie verarbeitet. Nichts bleibt ausgespart - Regen und Nebel nerven, Essen und Trinken werden ihrem schlechten Ruf entsprechend dargestellt, die Sprache ist verdreht... die spinnen, die Briten!

Nicht ganz an den Vorgänger kommt 'Asterix und die Normannen' heran. Die Zeichnungen entsprechen nun langsam dem Bild, das sich der Leser heute von Asterix macht, der Charakter des Grautvornix eine wunderbare Karikatur der jugendlichen Coolness und die Normannen in der Darstellung ein fast ebenbürtiger Partner zu den humorvollen und spritzigen Galliern. Ein insgesamt ausgewogener Band, mit kleinen aber feinen Highlights. Ganz in die Phase der ausgezeichneten und guten Veröffentlichungen gelingt es 'Asterix als Legionär' die guten Hefte zuvor noch zu toppen. Ganz zweifellos einer der besten Bände, schaffen es doch Uderzo und Goscinny die Gallier Asterix und Obelix auf der Suche nach dem Verlobten von Falbala von einem tollen Gag in detailreichen Zeichnungen zum anderen zu bewegen. Historische Fakten und pointierter Nonsens werden in bislang nicht gekannter Qualität miteinander verwoben - dieses Werk ist ein echter Comic-Klassiker.

Als ein weiterer Beweis für diese exzellente Phase der beiden Autoren erlebt der Leser mit Majestix in 'Asterix und der Arvernerschild' wie dieser als eigentlicher Hauptdarsteller während einer Diät im Arvernerland das Schild von Vercingetorix erbt. Mit viel Liebe zum Detail zeichnet Uderzo jeden einzelnen Charakter und beschreibt die Menschen in diesem gallischen Landstrich mit all ihren Vorlieben und Eigenarten. Ebenso wie 'Asterix bei den Olympischen Spielen' eine Erzählung im vorderen Mittelfeld. Auch im alten Griechenland gelingt es den Schöpfern von Asterix Eigenschaften und Kultur des Landes gekonnt zu karikieren. Dort die zügellosen Barbaren, hier die gebildeten und enthaltsamen Hellenen, dazwischen die dekadenten Römer. Die internationalen Spiele der Antike geben Gelegenheit touristische Spitzfindigkeiten auszuarbeiten.


 
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