Eure Meinung zu Band 40

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Axel
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Axel »

Die Anspielungen auf die nouvelle cuisine (einschließlich der Miniportionen!) sind etliche Jahrzehnte zu spät- Goscinny hat nach meiner Erinnerung NICHT auf Bocuse angespielt. Oder irre ich mich?

Axel
bdhk
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Tour de France ist ein ganzer Band zur Nouvelle Cuisine. Wobei die kleinen Portionen erst später aufkamen, das stimmt schon.
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Nullnullsix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Erik hat geschrieben: 5. November 2023 13:01 (…) (während ich das krampfhafte Einbauen der Piraten in jedem Band auch überflüssig finde). (…)
Das erinnert mich wieder daran, dass ich auf den Piraten-Gag noch mal näher eingehen wollte:

Nach erstem Lesen war mein Spontan-Gefühl, dass mir erstens der Auftritt zu plötzlich/unvermittelt kam und zweitens die Zeit vom Abwurf des Steins bis zu seiner Landung zu lang war. Die Position von Schiff und Abwurfstelle hat mich auch stutzen gemacht, aber wie man zB beim Speerwurf in 'erobert Rom'/'12 Prüfungen' sieht, ist bei sowas in Asterix ja fast alles möglich.

Zu erstens hätte mir vielleicht schon gereicht, wenn der Auftritt mit ner Textbox eingeleitet worden wäre, in der zB gestanden hätte können:
Kurz zuvor, einen Steinwurf entfernt.
Das hätte es nicht so unvermittelt 'aus dem Nichts' gemacht, das 'kurz zuvor' hätte mich mit der zu langen Zeit zwischen Abwurf und Landung versöhnt und der 'Steinwurf' wär ein netter Gag gewesen, weil es normalerweise eine eher kurze Distanz beschreibt, aber in diesem Fall diese Entfernungsformulierung relativiert, wenn der Stein von Obelix geworfen wird. Aber auch dann wär mir der Auftritt noch zu sehr 'Pflicht' und zuwenig 'Kür' gewesen.

Besser wäre mMn gewesen, wenn die Seite mit einer kurzen Einführung der Piraten begonnen hätte: Ein, zwei Panels, die ungefähr deutlich machen, wo* die sich befinden und aus denen hervorgeht, dass sie auch mit dem positiven Denken in Berührung gekommen sind: Ein Pirat gibt zu bedenken, dass es ggf. gefährlich wäre, hier rum zu schippern, worauf der Käptn Versenkungsszenarien schön redet. Dann Schnitt zu den Galliern, deren Versteckspiel und der Steinwurf (das Wortspiel in der Textbox hätte man ganz am Anfang der Seite auch bringen können, was noch subtiler gewesen wäre, weil in dem Fall der Stein noch gar nicht geworfen wurde). Um die Erwartungshaltung des Lesers zu unterlaufen (Witz lebt ja vom Unerwarteten) hätte dann -Schnitt zurück zu den Piraten- der Stein das Schiff aber verfehlt! - Während daraufhin der Käptn noch fröhlich siniert, dass es eben -positiv denkend- nicht immer so schlimm kommt, wie's kommen könnte, wird er darin unterbrochen von einem Piraten, der in der Piraten-Einführungssequenz mitgehört hat, welche positiven Aspekte ein Untergang auch haben kann und der nun erklärt, dass er, weil der Stein sie ja nun -leider!- verfehlt hätte, ersatzweise unter Deck ein Leck fabriziert hätte, damit sie nun doch noch untergehen können…

SO aufgelöst und abgewandelt hätte ich den Piraten-Auftritt beim Erstlesen vermutlich eher als 'Kür' und weniger als 'Pflicht' und auch insgesamt stimmiger gefunden.

Beim nochmaligen Nachlesen fiel mir dann auf, dass die Seite mit dem Piraten-Auftritt tatsächlich in sich geschlossen ist. Man könnte sie komplett entfernen ohne dass man ihr Fehlen bemerken würde. Dass sie sich aber trotzdem auch gut in den 'Fluß' der Geschichte einfügt, zeugt mMn davon, dass Fabcaro hier das Kunststück gelingt, einzelne Sequenzen zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen. Auch wenn die Versteckspiel/Piratensequenz mMn, wie erläutert, besser gemacht hätte werden können.

Letztendlich geht mir das mit dem gesamten Band so: In Details hätte man vielleicht noch das ein oder andere stimmiger, passender, deutlicher, witziger machen können, aber im Großen und Ganzen passt das alles recht gut, hat n Spannungsbogen, Rhythmus, viele schöne Momente und ein paar gute Gags - und ich vermag auch die zuweilen zu lesende Kritik an den Zeichnungen von Conrad nicht nachzuvollziehen: Ich find er macht seine Sache gut und von mir aus könnte er gerne noch 'eigenständiger' werden, sich mehr vom Vorbild Uderzo lösen.

* einigermaßen plausibel wäre ja gewesen, wenn die Piraten auf der Seine geschippert wären, Lutetia liegt ja bekanntlich am Fluß und unsere Gallier waren ja wohl nicht mehr all zu weit von Lutetia entfernt...
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Nullnullsix hat geschrieben: 8. November 2023 10:00 ...Während daraufhin der Käptn noch fröhlich siniert, dass es eben -positiv denkend- nicht immer so schlimm kommt, wie's kommen könnte, wird er darin unterbrochen von einem Piraten, der in der Piraten-Einführungssequenz mitgehört hat, welche positiven Aspekte ein Untergang auch haben kann und der nun erklärt, dass er, weil der Stein sie ja nun -leider!- verfehlt hätte, ersatzweise unter Deck ein Leck fabriziert hätte, damit sie nun doch noch untergehen können…
Und damit hätte Fabcaro sehr schön an die Szene aus dem "Seher" mit der Würfelvorhersage anknüpfen können ("Nein! Wenn ich ein echter Seher wäre, hätte ich vorhergesehen, dass Ihr eine VII würfelt, dann hätte ich VIII gesagt, denn dann hättet Ihr mich nicht für einen Seher gehalten, weil Ihr ja eine VII gewürfelt habt und keine VIII.") :-D
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Nullnullsix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Den Zusammenhang zum Seher und der Würfelei versteh ich nicht... - ich bin bei der Piratenselbstversenkung eher an die schon mal vorgekommene Selbstversenkung erinnert ('das Ergebnis ist dasselbe, aber wir ersparen uns die Prügel'), die unnötig war, weil für Piraten vermöbeln Vergnügungssteuer bezahlt werden müsste...
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Man hätte - für ein weiteres deja-vu im Album - einen ähnlich verschachtelten Dialog in die von Dir erdachte Situationsfolge einbauen können, die die "unterlaufene Erwartungshaltung des Lesers" dann am Ende zusammenfasst.
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Nullnullsix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Ah, okay. Ich glaub, jetzt hab ichs. Danke.
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Täusche ich mich, oder war das das erste Abschlussbankett, wo auch die Frauen des Dorfes teilnehmen und dabei auch neben ihren Kerlen sitzen dürfen (zumindest neben Gutemine auch "Frau Methusalix", Jellosubmarine und Frau Automatix)?
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Terraix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Terraix »

WeissNix hat geschrieben: 12. November 2023 19:53 Täusche ich mich, oder war das das erste Abschlussbankett, wo auch die Frauen des Dorfes teilnehmen und dabei auch neben ihren Kerlen sitzen dürfen (zumindest neben Gutemine auch "Frau Methusalix", Jellosubmarine und Frau Automatix)?
Also Frau Methusalix sitzt ziemlich oft neben ihrem Mann. Die anderen Paare sitzen vereinzelt zusammen, z. B. in "Maestria".
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Aléx
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Aléx »

Puh, habe nun nach dem ich den Band noch mal's gelesen habe und nun euere Kommentare gelesen habe noch mehr Eindruck von diesem Band. Mir sind etliche Dinge beim ersten mal lesen so gar nicht aufgefallen erst dank euch bewusst geworden.
Werde aber das Band noch einmal durchgehen um wirklich alle Poenten zu sichten und dieses ganze mit zu bekommen.

Als ich zum ersten mal den Band gelesen hab, ging es mir drum das es eine gute und vernüftige Story ist.
Sowie eben den Asterix Flair beinhaltet und diesen in ein gutes Comic überführt.

Und diese alles erfüllt das Comic sehr gut und dank der ganzen Poenten ist es auch wirklich ein gutes Asterix Comic.
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Comedix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Comedix »

Meine Meinung zum neuen Abenteuer:

Die meisten Medien waren nach dem Erscheinen voll des Lobes. Der neue Autor Fabcaro setze neue Maßstäbe; die Geschichte hätte Witz und Esprit; es wäre das beste Album seit mindestens 20 Jahren. Letzteres ist nicht allzu schwer, sind doch seit 2001 nur neun neue Ausgaben erschienen. Darunter mit "Asterix plaudert aus der Schule" und "Asterix und Obelix feiern Geburtstag" zwei Sammelausgaben und die legendären Geschichten "Asterix und Latraviata" und "Gallien in Gefahr".

Ich habe mir diesmal noch etwas mehr Zeit für meine Rezension genommen. Wie bei den Ausgaben zuvor, lese ich eine Ausgabe mehrmals. Das erste Durchblättern und oberflächliche Lesen für den ersten Eindruck. Durchgang 2 und 3 für den tieferen Einblick, während von anderen Lesern schon über die ersten Anspielungen im Asterix-Forum berichtet wird.

Mein erster Eindruck war: Sehr textlastig mit bemühtem oberflächlichem Wortwitz. Schon an der Handlung und den in sich geschlossenen Szenen auf jeweils einer Seite, beispielsweise dem Streit zwischen Gutemine und Majestix oder Obelix und die zahmen Wildschweine, erkenne ich die Handschrift des neuen Autors Fabrice Caro. Er ist in seinen Geschichten eher bekannt für kurze und knackige Pointen. Ich habe den Eindruck, dass sich die neuen Autoren vom großen Schatten eines Albert Uderzo, der 2020 gestorben ist, zu lösen beginnen. "Die weiße Iris" ist das erste Abenteuer, das gänzlich ohne den kontrollierenden Blick des Meisters entstanden ist.

Wenn ich die überwiegend positiven Rezensionen mit meinem Lesegefühl vergleiche, stimmt etwas nicht. Wieso finde ich die neue Geschichte nicht so witzig? Warum tragen mich nicht die lustigen Anspielungen auf den modernen Zeitgeist, den Andere so pointiert finden? Weshalb kommt es nur mir so vor, dass Tiefe und hintersinniger Wortwitz fehlen und die Handlung merkwürdige Wendungen macht, die sich meiner Logik entziehen? War das bei Asterix schon immer so? Passt vielleicht einfach nur die Erzählweise von Fabcaro nicht zu mir oder hat es vielleicht der deutsche Übersetzer versemmelt?

Der Blick in die französische Ausgabe beweist, dass es nicht an Klaus Jöken liegt. Er hat die meisten Sprechblasen inhaltlich aus dem Original übernommen und dort, wo französische Eigenarten und Sprachspiele vom deutschsprachigen Leser in der Regel nicht verstanden werden, einen Bezug aus deutscher Lesersicht eingebaut.

Es liegt auch nicht an den Zeichnungen, die meinen Gesamteindruck stören. Didier Conrad ist nicht Albert Uderzo und soll ihn auch nicht kopieren. Es ist legitim, dass er seinen eigenen Zeichenstil einbringt. Asterix hat sich seit 1959 zeichnerisch mit den Jahrzehnten verändert und das ist auch gut so. Selbst der rote Faden mit der Methode der weißen Iris, die Anspielungen auf die Neuzeit und bewusst gestreuten Verweise auf frühere Abenteuer sind nicht die Erbse unter der Matratze.

Es ist etwas anderes. Die Dialoge wirken auf mich oberflächlich und gelegentlich hölzern, die Handlung bemüht. Es fehlt mir die unterschwellige Ironie auf die Realität. Es fehlen mir die augenzwinkerten, feinen Hintergedanken, die sich womöglich nicht schon in der nächsten Sprechblase, sondern erst einige Seiten später auflösen. Diesmal fühlt es sich an wie eine Beziehung, die langsam auseinanderdriftet. Asterix, ich mag dich. Ich verbringe weiterhin gerne Zeit mit dir. Doch irgendwie haben wir uns unterschiedlich entwickelt, ich brauche Zeit.

Alles in allem ist die Geschichte nicht schlecht und sichtbar eine Eigenentwicklung ohne den großen Uderzo im Hintergrund. Einen sensationellen Restart, der an ruhmreiche Zeiten erinnert, sehe ich jedoch (noch) nicht. Ich bleibe weiter gespannt auf die nächste Ausgabe, die wohl im Oktober 2025 in die Läden kommen wird.
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Dein Fremdeln mit diesem Album teile ich nicht, im Gegenteil:

Nun, es war seit dem Ende der Ära Penndorf, also Band XXX, der erste, wo ich sofort nach der ersten Lektüre den Wunsch hatte, den Band zeitnah noch einmal zu lesen (ohne das - mit Ausnahme von Band XXX - am Übersetzer festmachen zu wollen; Frau Penndorf dient überwiegend der zeitlichen Einordnung, wenngleich der übersetzerische Kulturschock zwischen XXIX und XXX seinen Teil zum Bruch bei mir beigetragen hatte).

Und zwar, weil
a) die Geschichte stringent und flüssig erzählt war (das geht m.E. allen Ferri-Bänden zumindest in Teilen des jeweiligen Albums ab, und Uderzo vor allem gegen Ende seines Schaffens ... lassen wir das ;-) )
b) viel Wortwitz darin steckte, der vermuten liess, wie einst bei Gscinny nicht sofort alle entdeckt zu haben, was den Jagdtrieb anfachte
und schliesslich
c) ich meinte, dass viele Anspielungen auf ältere Bände wie Eastereggs im Album versteckt wären (ich habe zwar inzwischen das zweite Mal gelesen und auch schon viele Notizen gemacht, muss meine spontanen Eindrücke aber noch bei einigen weiteren Lektüren mit den alten Alben abgleichen, das kann noch dauern)

Ich fand übrigens die anderen beiden neuen Autoren nach Goscinny mit ihren ersten Arbeiten sehr schwach, ob nun Uderzo mit dem "Graben" oder Ferri mit den "Pikten" - für den Erstling eines neuen Autors finde ich "Die weisse Iris" erfreulich erfrischend.
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wirdnix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag wirdnix »

Vielen Dank für die letzten beiden Beiträge von Weissnix und Comedix. Beiden mag ich gewissermassen ein stückweit zustimmen, haben mich aber auch nochmal zum Durchblättern des Bandes und Äussern einer weiteren Meinung beigetragen:

Tatsächlich lässt sich auch in meinen Augen der ganze Band ganz konsequent und stur in kleine Serien / Sequenzen in der Länge von einer Seite oder Doppelseite aufteilen. Es fühlt sich genau danach an, dass Fabcaro genau als der bereits erwähnte Kurzgeschichtenerzähler erscheint, ausgelegt auf ein Erscheinen einer Episode / Sequenz von 1 bis 2 Seiten pro Ausgabe. Wie halt im Fernsehen bei einer Serie sind auch hier aufgeteilte kurzweilige Unterhaltung oder als Gutenachtgeschichte immer genau auf diese 1-2 Seiten zu lesen und betrachtend aneinander aufgereiht. Das ist in meinen Augen absolut konsequent durchgezogen, es fängt immer im ersten Panel der Seite an und endet in sich geschlossen am Seitenende bzw der Seite danach - 2 Ausnahmen, aber dazu gleich.
Für den gesamten Lesefluss tut es daher dann keinen grossen Abbruch, würde man die eine oder andere Ausgabe verpassen, respektive Seite zwischendurch überblättern.
Aus dieser Sichtweise heraus erschliessen sich zumindest für mich dann folgende Aspekte:
Wenn die Arbeit der Autoren und Zeichner auch so ausgelegt wurde, dass immer nur Seite um (Doppel)Seite, ergo Kurzgeschichte um Kurzgeschichte für sich separat erarbeitet worden sind, um dann danach aus diesen erstellten Szenen auf 40 +X Seiten zusammen gekürzt werden muss, dann fallen (recht) lapidar die eine oder andere Szene einfach raus, ohne dass es dem Lesefluss und er Story grossen Abbruch gäbe. Ich sehe imaginär eine Wäscheleine mit allen Seiten des Comics aufgereiht und zum Schluss wurden einfach das eine oder andere Blatt/Doppelseite einfach abgehängt um auf die maximale Seitenzahl zu kommen. Dadurch erkläre ich mir auch die eine oder andere unschlüssige Situation innerhalb der Handlung, welche sich mit solch einem Sprung der aussortierten Seite(n) hätte besser erklären können. So gesehen ist innerhalb des Bandes einzeln betrachtet die eine oder andere Kurzgeschichte sehr amüsant - wie z.B. Obelix mit den Wildschweinen schmust.
Die beiden Ausnahmen dieser Unterteilung sind zum einen das grosse Finale über 6 Seiten hinweg als auch die Seiten 30-32 in denen 3 Seiten für mich den Höhepunkt der Geschichte einleiten. Man prügelt sich dank Zaubertrank um eine Sache und Majestix macht irgendwie doch mit. Für mich ist daher und so gesehen der Kern der Story und das eigentliche Thema und Geschichte nicht Visaversus und die weisse Iris sondern eigentlich Miraculix, dem die Frau davonläuft und er trotz Sinnkrise sie sich heldenhaft zurückerobert, Also ein klassisches Liebesdrama mit schön Drumrum verpackt.

So gesehen muss man sich fragen - gefällt einem diese Art der Story; wie mag man Kurzgeschichten und die Zeichnungen, wie ist Übersetzung und Texte an sich; wieviel altes wird bewahrt und interssante neue Aspekte hinzugefügt.
Für mich bleibe ich dabei - weder Klassiker noch Altpapier. Sprachlich sehe ich den grossen Bruch seit der Ära nach Penndorf, aber jetzt endlich auch ein Lichblick ohne Lautmalereien. Zeichnerisch kann sicher nicht alles für alle Ewigkeiten genauso bleiben wie in Band 1 - das hatte es auch nie. Ob man die Änderungen gutheissen mag oder nicht.... Den gefühlt zahnlosen Asterix wie Verleihnix ohne Hals mag ich auch nicht besonders. Geschichtlich wie feinsinnig wird es kaum möglich sein einen Goscinny zu schlagen - das haben wir lange genug spüren können und müssen. Hier trauern die älteren Semester sich in alle Zeit dem "Geschmack" der Kindheit und Jugend nach - diese Heroisierung der Kindheit und von damals wird auch nie übertroffen werden können. Wenngleich auch schon immer der eine oder andere Band Unzulänglichkeiten aufweisen kann. z.B. würde ich persönlich "Schweizer" und "Belgier" noch hinter "Sohn", "Graben", "Maestria" oder den aktuellen einreihen.
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WeissNix
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

wirdnix hat geschrieben: 17. November 2023 00:58 ...und das eigentliche Thema und Geschichte nicht Visaversus und die weisse Iris sondern eigentlich Miraculix, dem die Frau davonläuft und er trotz Sinnkrise sie sich heldenhaft zurückerobert...
Miraculix lebt im Druiden-Zölibat, Du meinst Majestix ;-)
wirdnix hat geschrieben: 17. November 2023 00:58Hier trauern die älteren Semester sich in alle Zeit dem "Geschmack" der Kindheit und Jugend nach - diese Heroisierung der Kindheit und von damals wird auch nie übertroffen werden können.
Was auch sicher zu einem nicht unerheblichen Teil dem Umstand geschuldet ist, dass man eben die Bände von der Kindheit an immer wieder gelesen hat und mit fortschreitendem Alter auch immer wieder Neues darin entdecken konnte. Diese eher langsame Erschliessung der Alben über Jahre oder gar Jahrzehnte hinweg (auch dank des offiziellen Lexikons, dem Internet und der Arbeit von Marco oder auch Sekundärwerken wie Jaaps Buch "Die fröhliche Wissenschaft") geht uns "älteren Semestern" natürlich inzwischen völlig ab, die Erfahrung mit den späteren Alben ist daher zwangsläufig völlig anders.
Und trotzdem war Goscinny auf dem Feld ein Genie, dem niemand so schnell das Wasser oder die Cervisia wird reichen können.
wirdnix hat geschrieben: 17. November 2023 00:58 z.B. würde ich persönlich "Schweizer" und "Belgier" noch hinter "Sohn", "Graben", "Maestria" oder den aktuellen einreihen.
Ausgerechnet "Schweizer"? Und ausgerechnet "Sohn", "Graben" und "Maestria"?
Nicht wirklich, oder?

Wenn ich überhaupt Goscinny-Bände hinter anderen Autoren einordnen müsste, dann am ehesten die Alben nach "Korsika" - mit Ausnahme von "GMBH&Co.KG". Und auch die nur schweren Herzens dann hinter "Odyssee", "Morgenland", "Papyrus" und "weisse Iris" (in chronologischer Reihenfolge) - alle anderen Alben der neuen Autoren wären da zweifellos lange vorher schon raus.
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Re: Eure Meinung zu Band 40

Beitrag: #Beitrag Comedix »

wirdnix hat geschrieben: 17. November 2023 00:58 [...] Geschichtlich wie feinsinnig wird es kaum möglich sein einen Goscinny zu schlagen - das haben wir lange genug spüren können und müssen. Hier trauern die älteren Semester sich in alle Zeit dem "Geschmack" der Kindheit und Jugend nach - diese Heroisierung der Kindheit und von damals wird auch nie übertroffen werden können. [...]
Du hast hier niemanden speziell angesprochen, die genannte Gruppe der Tradionalisten kenne ich. Zu diesen zähle ich mich jedoch nicht. Ich konnte sogar "Gallien in Gefahr" positive Seiten abgewinnen (meine Rezension dazu).

Bei Die weiße Iris stimmt für mich irgendetwas anderes nicht. Und ich kann noch nicht mal genau sagen, was es ist. Er hat einfach meinen Humor nicht getroffen.
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