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Die Gallier (V) - Troubadix

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Die sakrosankten Sänger - gehegt und gepflegt, nur bei Asterix verkannt

Als Barden (irisch: bard, lat.: bardi) bezeichneten die Gallier ihre Dichter und Sänger. Sie zählten wie die Druiden nach Berichten Cäsars und zahlreicher antiker Autoren zur gebildeten keltischen Oberschicht und standen vor allem im Dienst der Fürsten. Ihre Aufgabe war, bei Trinkgelagen und großen Essen die Heroen und Taten ihres Stammes zu verherrlichen, sowie die Tugenden ihrer aristokratischen Herren zu besingen.

Troubadix dagegen erlebt eine wenig kunstsinnige Haltung seiner gallischen Freunde, die er als barbarischen Ausdruck von Unverstand und zutiefst ungerecht empfindet. Der erste Eindruck, den wir von den Barden im allgemeinen und Troubadix im speziellen erhalten, ist der eines Dorfbewohners wie alle anderen auch. Allerdings bietet Troubadix auch Gelegenheit, ihm ungehindert ein paar Hiebe zu versetzen, wenn man sich an ihm stört. Die anderen Dorfbewohner haben ebenso wenig Respekt. Sie machen sich aus dem Staub, sobald er ankündigt, dass er singen wird oder fesseln ihn während der Festessen.

Im krassen Gegensatz zu diesen in den Heften vorkommenden Ereignissen überliefert uns Lovernius, ein reicher keltischer Anführer, als er Geld unter seinem Volk austeilte, folgendes: 'Als dieser Barde Lovernius, dem Anführer, begegnete, sang er ein Loblied auf dessen Großzügigkeit und bedauerte seine Verspätung. Lovernius freute sich darüber, verlangte nach einem Sack Gold und warf ihn dem Barden zu, als dieser sich dem Wagen näherte.'

All den unliebsamen Begebenheiten zum Trotz hat Troubadix in der Dorfgemeinschaft eine bedeutende Stellung: als Mitglied des Dorfrates, der in besonderen Situationen einberufen wird, wobei Majestix als Anführer jedoch das letzte Wort hat. Neben Miraculix sind diese drei Charaktere der wesentliche Bestandteil dieses Gremiums. In Wirklichkeit gestaltete sich die politische Zusammenstellung eines keltischen Stammes natürlich nicht so einfach. Nach Poseidonios wird nicht allein dem Druiden, sondern auch dem Barden von den Stammesgefährten Gehorsam geleistet, sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten. Troubadix wäre also genauso wie Miraculix in der Lage gewesen, angreifende Heere zu stoppen.

In seiner Funktion als Lehrer spricht Troubadix zu den Kindern des Dorfes, die er unter anderem in Geschichte, Rechnen und Musik unterrichtet. Genauso wie Druiden kümmerten sich bei den Kelten tatsächlich die Barden um die Erziehung der Kinder. Als Barde hat er also eine ganze Reihe wichtiger Funktionen im Dorf. Nicht umsonst haben ihn Goscinny und Uderzo mit einem Mantel versehen, durch den er sich zusammen mit Miraculix und Majestix von den anderen unterscheidet.

Im Zuge der Romanisierung verschwanden die Barden in Gallien. In den westlichen Randbereichen des romanischen Europas überlebten sie jedoch die nächsten Jahrhunderte. In Wales stellten sie noch vom 7. bis 15. Jahrhundert eine besondere gesellschaftliche Gruppe dar. An achter Stelle der Hofhierachie stand in der Regel der Barde. Er besaß das Recht auf ein freies Stück Land, ein Pferd, zwei Gewänder und eine Unterkunft. Sein Wergeld (Buße, die für die Tötung eines Freien bezahlt wurde) war doppelt so groß wie das eines gewöhnlichen Freien. Durch Gesänge sollte er die in den Krieg ziehenden Soldaten anspornen. Als Lohn für diese Aufgabe erhielt er einen Teil der Kriegsbeute.

Ähnliche Verhältnisse existierten in Irland. Bis ins 16. Jahrhundert hatten die Barden dort einen beachtlichen Einfluss. Ihre Spottlieder konnten nach irischer Auffassung sogar die Wirkung eines Fluches haben. Sie konnten eine Missernte bewirken und dafür verantwortlich sein, dass die Kühe keine Milch lieferten.

Den germanischen Stämmen waren sowohl der Name als auch die Vorrechte der keltischen Barden unbekannt. Der südgermanische Dichter wurde 'skop', der skandinavische 'skßld' genannt. Auch sie erfüllten eine dem Barden vergleichbare Funktion.


 
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