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Teutates und Kollegen

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Die Kelten und ihr Pantheon

Die Kelten waren eines der rätselhaftesten Völker der europäischen Vorgeschichte. Trotz der Jahrhunderte andauernden Kontakte mit anderen Volksstämmen und den späteren Besetzern, den Römern, wissen wir noch immer sehr wenig über ihr Leben und Denken. Erst in den letzten Jahrzehnten konnte die Keltenforschung mühsam neue Erkenntnisse sammeln.

Who is who?

Unsicherheit über die Bedeutung ihrer Götter hat es zum Beispiel bereits in der Spätantike gegeben. So schreibt schon Julius Cäsar, daß ihr Hauptgott Merkurius sei. Er sei auf den meisten Bildsäulen abgebildet und als Erfinder der Künste gefeiert worden. Nach ihm verehrten die Kelten Apollo, Mars, Jupiter und Minerva. Apollo vertreibt die Krankheiten, Minerva lehrt Künste und Handwerk, Jupiter ist der König des Himmels und Mars regiert den Krieg. Cäsar schreibt, daß die Kelten im Falle eines Sieges dem Mars alls Lebendige opfern und sich dabei auf die Lehre der Druiden berufen.

Ein göttliches Triumvirat

Wie erkennbar, verwendet Cäsar nicht die keltischen Götternamen. Lukans Pharsalia, ein Verseschmied, dagegen nennt sie: Esus, Taranis und Teutates. Es gibt keine authentische Überlieferung der Mythologie der Kelten. So bleibt bis auf den heutigen Tag die Frage offen: Wer ist wer?

Anscheinend waren die Hauptgötter zu Cäsars Zeiten Taranis, Herrscher des Himmels und oberster Gott; in weiteren Funktionen auch Gott des Krieges und des Jenseits. An zweiter Stelle stand Teutates als Schirmherr des Stammes, gefolgt von Esus, dem Gott des Reichtums.

Charakteristisch für diese wie auch die anderen keltischen Götter ist, daß sie sehr oft - je nach Stamm und Gegend - ihre Funktionen und damit auch die Namen tauschten.

Beispiel hierfür ist Esus, der häufig mit dem Hirschgott Cerunnos gleichgesetzt wird.

Andere Götter sind Lug, der für die Künste und die Magie zuständig ist, Belenus, der Heilgott, der von den Römern mit Apoll gleichgesetzt wurde, sowie Gobniu, der Schutzgott der Schmiede. Die Funktionen anderer Götter sind dagegen im großen und ganzen unklar. Sehr oft reichte ihr Kult und ihre Funktion kaum über die Grenzen eines einzelnen Oppidums hinaus.

Noch unklarer werden Namen und Funktionen der weiblichen Gottheiten. Rosmerta, die Muttergöttin, war Herrin des Himmels und der Ernte, Epona galt hauptsächlich als Schützerin des Viehs und Bodh, die Kriegsgöttin, war ein Idol der kämpfenden Männer.

Blutige Rituale

Verehrt wurden die Götter unter freiem Himmel, in heiligen Hainen oder in kultischen Anlagen, die als 'Viereckschanzen' bezeichnet wurden. Vielfach wurden Menschenopfer dargebracht, sei es durch Ertränken, Verbrennen oder Hängen in den Bäumen.

Außer vielen lokalen Festen gab es vier kultische Hauptereignisse pro Jahr. Das wichtigste Fest fand am 1.August zu Ehren des Lug statt und galt der glücklichen Ernte. Ein andere zelebrierte man am 1.Februar zu Ehren der großen Mutter, ein weiteres am 1.Mai in Zusammenhang mit dem Gott Belenus. Am 1.November folgte das Sowan-Test, mit dem man die Vereinigung der bösen mit den guten Mächten sowie den Beginn des neuen Jahres feierte. In dieser Nacht starb die Welt, die Feuer wurden gelöscht und erst nach dem Vollzug bestimmter Rituale neu entfacht.

Der Silberkessel von Gundestrup

Ein bedeutender Fund, der etwas mehr Licht in das mystische Dunkel brachte, gelang 1891 in einem jütländischen Moor bei Alborg in Dänemark. Es handelt sich um ein reliefverziertes Kultgefäß, dem Silberkessel von Gundestrup. Aber schon seine Datierung bereitet der Wissenschaft Schwierigkeiten. Heute scheint sich die These durchzusetzen, daß er in das 1. vorchristliche Jahrhundert einzuordnen ist. Auf den sieben erhaltenen Außenplatten sind vier Götter und drei Göttinnen dargestellt. Auf einer Innenplatte ein großer Kriegszug, bestehend aus Fußkämpfern, Hornbläsern und Reitern. Vor diesen Kriegern wird ein Mensch Hals über Kopf in einen Kessel gestürzt. Auch ein Stieropfer ist auf der Bodenplatte zu sehen. Hinsichtlich der Bedeutung dieser Szenen gibt es viele sachkundige Interpretationen, die oft stark voneinander abweichen.

Ein Beweis dafür, daß religiöse Vorstellungen der Frühzeit auch durch spektakuläre archäologische Funde nicht leichter verständlich werden.
 

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