Werke mit Goscinny-Beteiligung

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Erik
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,

der ALL-Verlag hat in seinem Verlagsforum vorgestern den größten Teil seines kommenden Halbjahresprogramms vorgestellt:
https://www.comicforum.de/showthread.ph ... ost5885557

Daraus ergibt sich, dass zum einen bereits im Februar 2024 der dritte Band der Spaghetti-Gesamtausgabe erscheinen soll. Die Preisgestaltung verbleibt wie zuletzt: 39,80 € für die Normal- und 59,80 € für die Vorzugsausgabe. Letztere ist auf 111 Exemlare limitiert kommt auch dieses Mal mit einem von Dino Attanasio - nunmehr 96-jährig - handsignierten Ex-Libris daher. Der ALL-Verlag verlangt dem hochgbetagten Maestro wirklich einiges ab, wenn er nun schon zum dritten Mal 111 Signaturen leisten muss.

Welche Geschichten in Gesamtausgabe Bd. 3 enthalten sein werden, liest man noch nicht, weder in der Programmvorschau, noch auf den Artikelseiten der Normal- bzw. Vorzugsausgabe:
https://www.all-comic.de/Vorschau/Febru ... sgabe.html
https://www.all-comic.de/Vorschau/Febru ... sgabe.html

Allerdings ist beiden Quellen zu entnehmen, dass er 1963 und 1964 entstandene Geschichten enthalten wird. Demnach dürften es ausschließlich von René Goscinny getextete Geschichten sein. Wenn ich jetzt Band 2 der Gesamtausgabe zur Hand hätte - was ich aber nicht habe und daher nicht weiß, welches die zuletzt publizierte Geschichte war -, könnte ich mithilfe der Reddition-Bibliographie wahrscheinlich ableiten, welche Geschichten es sein werden. Der Umfang des neuen Bandes von 184 Seiten macht eine Veröffentlichung von fünf 30-seitigen Geschichten wahrscheinlich. Sechs Geschichten wären zwar auch möglich, jedoch erscheinen vier Seiten für Begleitmaterial recht wenig.

Zum anderen ergibt sich aus der Verlagsvorschau, dass im Mai 2024 die Kasimir-Alben 5 und 6 erscheinen sollen. Auch hier bleibt die Preisgestaltung wir zuletzt: 17,80 € je Normalausgabe, 39,80 € je Vorzugsausgabe:
https://www.all-comic.de/Vorschau/Mai-2 ... nbein.html
https://www.all-comic.de/Vorschau/Mai-2 ... nbein.html
https://www.all-comic.de/Vorschau/Mai-2 ... rilla.html
https://www.all-comic.de/Vorschau/Mai-2 ... rilla.html

Welche Geschichten hier erscheinen werden, ist, da es Einzelbände sind, natürlich klar. Unklar bleibt z.T. noch, unter welchem Titel sie erscheinen werden. So wird Bd. 5 als "Jagd aufs Elfenbein" angekündigt, während die Coverabbildung den Titel "Run auf Elfenbein" zeigt. Es wird abzuwarten bleiben, wofür sich der Verlag letztlich entscheiden wird. Bei Bd. 6, "Kasimir ... und der Gorilla", gibt es eine solche Divergenz nicht.
Erik hat geschrieben: 18. Juni 2022 13:11
Nullnullsix hat geschrieben: 18. Juni 2022 11:10Insofern würde sich eigentlich anbieten -wenn man denn jetzt schon so angefangen hat- es so zu machen: Zunächst die 30seitigen Geschichten plus Bonus-Material in je 40seitige Alben, dann einen Band mit tatsächlich 48 Seiten, der die beiden ersten 22seiter ("Un zeste de violence" und "Strapontin contre Mygalex") beinhaltet und zum Abschluß der Serie dann die dritte 22seitige Geschichte plus die 12seitige TB-Geschichte plus einen abschließenden Red.-Teil, der dieses letzte Album wieder auf 40seiten 'auffüllt'. Dann hätte man nur einen Band mit 48 Seiten (was in der Dicke des Albums nicht wirklich auffällt) und alle anderen gleichbleibend 40 Seiten. Aber eben: 'Mygalex' wär dann das vorletzte Album, nicht das letzte...
Dieses letzte "Aber" ist jedoch ein ganz Entscheidendes. Denn wie die Backcover der bisher erschienenen Bände zweifelsfrei belegen, ist die Reihe auf 14 Bände angelegt, nicht auf 15. Dass da noch ein Band nachgeschoben wird, halte ich für sehr unwahrscheinlich, denn dann wäre ja die Aufstellung auf den vorangegangenen Bänden falsch.
Nullnullsix hat geschrieben: 18. Juni 2022 13:59Und ich bin weiterhin guten Mutes, dass 'komplett' auch 'komplett' werden wird. Aufstellung auf der Rückseite der bisher erschienenen Alben hin oder her.
In dieser Hinsicht scheint der Druidenspion Recht zu behalten. Jedenfalls hat ein aufmerksamer Leser im ALL-Verlagsforum entdeckt, dass die Kasimir-Reihe nunmehr mit 15 Alben angekündigt ist. Das spricht dafür, dass Nullnullsix' "Lösung" nun auch seitens des Verlags umgesetzt werden könnte. Die Goscinny-Alben betrifft das aber ohnehin nicht, sondern nur die späteren Geschichten des Duos Berck/Acar.
Erik hat geschrieben: 2. Juli 2022 14:28
andrax im Comicforum hat geschrieben:Aber es stimmt, dass die Motive der Titelbilder der beiden letzten Alben nicht dazu passen. Das wird selbstverständlich noch angepasst. Genauso wie das Titelbild mit dem indigenen Kämpfer 8) und die Autorennennung.
[...]

Was der Verlagschef allerdings mit dem "indigenen Kämpfer" vorhat, ist mir nicht ganz klar geworden. Ich nehme sehr stark an, dass damit der dunkelhäutige Speerkämpfer mit Federschmuck und Gepardenfellschurz auf dem Cover von Bd. 6 gemeint ist. Was da allerdings "selbstverständlich" angepasst werden soll, erschließt sich mir nicht. Da ich davon ausgehe, dass es sich bei den Covermotiven um Originalzeichnungen von Berck handelt, hoffe ich jedenfalls, dass hier nicht aus einem heutigen Verständnis von politischer Korrektheit heraus die Zeichnung verändert werden soll, um einem etwaigen Rassismus-Vorwurf (den es ja bei vergleichbaren Numiden-Darstellungen in den Asterix-Comics teilweise gibt) vorzubeugen. Hierfür wäre m.E. nötigenfalls eine Erläuterung im Vorwort, dass es sich um ein Produkt der Zeit, das in dem zeitlichen Entstehungskontext beurteilt werden muss, handelt und dessen heutige Neuveröffentlichung keine Wertung über Menschen afrikanischen Phänotyps zum Ausdruck bringen soll, vorzugswürdig und ausreichend.
Soweit ich sehe, wurde weder Speerkämpfer wegretuschiert noch ein ganz anderes Cover verwendet. Ich habe jetzt keinen Vergleich mit dem Originalcover. Aber die Darstellung mit den deutlich hervortretenden roten Lippen auf dem angekündigten Cover sieht für mich nicht danach aus, als sei die Zeichnung aus Gründen der politischen Korrektheit entschärft worden. Das ist gut so. Was dann aber "selbstverständlich noch angepasst" worden ist, kann ich derzeit auch nicht nachvollziehen.


Abschließend sei noch erwähnt, dass für den Juni 2024 eine auf 1.000 Exemplare limitierte Chronik des Zack-Magazins vom Koralle-Verlag unter dem Titel "Spaß Spannung Abenteuer - Die Chronik des Koralle-Zack" von Bernd Weckwert im Umfang von 400 Seiten zu 59,80 € (eine Vorzugsausgabe ist hierzu wohl nicht vorgesehen) angekündigt ist:
https://www.all-comic.de/Vorschau/Juni- ... -ZACK.html

Von dieser war in den letzten Jahren im ALL-Verlagsforum immer mal wieder die Rede, weil sie wohl wegen Lizenz- und Markenrechtsstreitigkeiten mehrfach verschoben werden musste. Da Asterix ja nie im Zack-Magazin erschienen ist, wird das Buch natürlich für Asterix-Fans zunächst wenig bereithalten. Erwähnenswert finde ich die Ausgabe an dieser Stelle nur, weil ich gesehen habe, dass auf dem Cover durchaus auch Helden von Goscinny und Uderzo, insbesondere Umpah Pah, der direkteste Asterix-Vorläufer, abgebildet sind.

Gruß
Erik
Zuletzt geändert von Erik am 29. Dezember 2023 13:13, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Erik hat geschrieben: 29. Dezember 2023 11:58 (...) Was der Verlagschef allerdings mit dem "indigenen Kämpfer" vorhat, ist mir nicht ganz klar geworden. Ich nehme sehr stark an, dass damit der dunkelhäutige Speerkämpfer mit Federschmuck und Gepardenfellschurz auf dem Cover von Bd. 6 gemeint ist. Was da allerdings "selbstverständlich" angepasst werden soll, erschließt sich mir nicht. (...)
Soweit ich sehe, wurde weder Speerkämpfer wegretuschiert noch ein ganz anderes Cover verwendet. Ich habe jetzt keinen Vergleich mit dem Originalcover. Aber die Darstellung mit den deutlich hervortretenden roten Lippen auf dem angekündigten Cover sieht für mich nicht danach aus, als sei die Zeichnung aus Gründen der politischen Korrektheit entschärft worden. Das ist gut so. Was dann aber "selbstverständlich noch angepasst" worden ist, kann ich derzeit auch nicht nachvollziehen. (...)
Ohne das jetzt genau überprüft zu haben, glaube ich, dass die 'Anpassung' nur eine graphisches Problem war/ist: Dass da Zeichnung und Schriftzug kollidierten oder etwas in der Art, und das anders gelöst werden sollte als es auf früheren Dummy-Motiven/vorläufigen, noch nicht endgültigen Cover-Entwürfen war.
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,

ein kleiner Nachtrag bzw. eine Korrektur:
Erik hat geschrieben: 29. Dezember 2023 11:58Welche Geschichten in Gesamtausgabe Bd. 3 enthalten sein werden, liest man noch nicht, weder in der Programmvorschau, noch auf den Artikelseiten der Normal- bzw. Vorzugsausgabe:
https://www.all-comic.de/Vorschau/Febru ... sgabe.html
https://www.all-comic.de/Vorschau/Febru ... sgabe.html

Allerdings ist beiden Quellen zu entnehmen, dass er 1963 und 1964 entstandene Geschichten enthalten wird. Demnach dürften es ausschließlich von René Goscinny getextete Geschichten sein. Wenn ich jetzt Band 2 der Gesamtausgabe zur Hand hätte - was ich aber nicht habe und daher nicht weiß, welches die zuletzt publizierte Geschichte war -, könnte ich mithilfe der Reddition-Bibliographie wahrscheinlich ableiten, welche Geschichten es sein werden. Der Umfang des neuen Bandes von 184 Seiten macht eine Veröffentlichung von fünf 30-seitigen Geschichten wahrscheinlich. Sechs Geschichten wären zwar auch möglich, jedoch erscheinen vier Seiten für Begleitmaterial recht wenig.
Wäre ich auf die Idee gekommen, meinen obigen Beitrag zu Band 2 der Spaghetti-Gesamtausgabe nochmal zu lesen, hätte ich das so nicht geschrieben. Denn dort hatte ich angegeben:
Erik hat geschrieben: 3. Dezember 2022 18:38Der Band enthält - nach einem 7-seitigen redaktionellen Einleitungstext - insgesamt 5 jeweils 30 Seiten lange Comic-Geschichten (Spaghetti und die Achillesferse, Spaghetti und der Radlertreff, Die Narren des Königs, Spaghetti in Venedig und Spaghetti in Paris) aus den Jahren 1961 und 1962.
Danit ist relativ klar, dass der 3. Band der Gesamtausgabe wieder fünf Geschichten enthalten wird. Laut Reddition 34 wären die nächsten fünf albenlangen Geschichten: Spaghetti dans le Désert (1963), Spaghetti et le Grand Zampane (1963), Pas de Mirabelles pour Spaghetti (1963), Spaghetti et l'Idole (1964) und La double vie de Prosciutto (1964).

Allerdings kann es auch sein, dass statt der letztgenannten die - in der Reddition-Bibliographie nachstehend genannte - Geschichte Spaghetti à la Fête zum Abdruck kommt, denn die soll 1963 bis 1964 erschienen sein und damit wohl früher. Die bibliographischen Angaben in der Reddition 34 sind insoweit insbesondere hinsichtlich der Sortierung nicht ganz nachvollziehbar. Bereits für Pas de Mirabelles poir Spaghetti wird zudem als Erstpublikation "TINTIN 37 bis 51 (1963)" angegeben, für den nachfolgenden Eintrag Spaghetti et l'Idole "TINTIN 29 bis 43 (1964)". Die chronologische Sortierung passt hier noch zu den angegebenen Jahreszahlen, aber dass hier niedrigere Heftnummern später erschienen sind, muss wohl damit zusammenhängen, dass "TINTIN" mal für die französische und mal für die belgische Ausgabe des TINTIN-Magazins steht, ohne dass das jeweils kenntlich gemacht worden ist.

Jedenfalls wird zusätzlich zu den fünf albenlangen Geschichten - in welcher genauen Zusammensetzung auch immer - in Band 3 der Spaghetti-Gesamtausgabe wohl (hoffentlich) die letzte Goscinny-Kurzgeschichte Les Pâques de Spaghetti von 1963 enthalten sein. Weshalb die Autoren hier - erstmals seit 1959 - nochmals eine Kurzgeschichte zwischen die sonst durchgehend 30-seitigen Abenteuer geschoben haben, geht aus der Reddition-Bibliographie natürlich nicht hervor. Es wäre interessant, falls der redaktionelle Teil der Gesamtausgabe das erhellen kännte.

In der Verlagsankündigung steht nur: "Dieser dritte Band der opulent aufgemachten Spaghetti-Gesamtausgabe präsentiert die in den Jahren 1963 und 1964 für das Journal de Tintin entstandene albumlange [sic!] Geschichten, in denen sich der Titelheld und sein Cousin unter anderem aufgrund eines Missverständnisses als »die klügsten Menschen des Jahrhunderts« in der arabischen Welt wiederfinden oder mit großem Engagement in die faszinierende Welt des Boxsports eintauchen."

Eine Kurzgeschichte wird dort nicht erwähnt, das dürfte aber nur eine Ungenauigkeit sein. Ich nehme nicht an, dass diese übersehen worden sein kann.

Gruß
Erik
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Erik hat geschrieben: 31. Dezember 2023 12:24 (...) Die bibliographischen Angaben in der Reddition 34 sind insoweit insbesondere hinsichtlich der Sortierung nicht ganz nachvollziehbar. Bereits für Pas de Mirabelles poir Spaghetti wird zudem als Erstpublikation "TINTIN 37 bis 51 (1963)" angegeben, für den nachfolgenden Eintrag Spaghetti et l'Idole "TINTIN 29 bis 43 (1964)". Die chronologische Sortierung passt hier noch zu den angegebenen Jahreszahlen, aber dass hier niedrigere Heftnummern später erschienen sind, muss wohl damit zusammenhängen, dass "TINTIN" mal für die französische und mal für die belgische Ausgabe des TINTIN-Magazins steht, ohne dass das jeweils kenntlich gemacht worden ist. (...)
Die Nummern-Angabe deutet auf einheitlich belgisches Tintin hin: Die belgische Ausgabe wurde in jedem Jahr neu von 1 beginnend nummeriert, während das französische Tintin jahresübergreifend durchnummeriert wurde.
Eine Übersicht über die Original-Veröffentlichungen der Serie findest Du hier: https://bdoubliees.com/series/sp/spaghetti.htm
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Erik
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,
Nullnullsix hat geschrieben: 31. Dezember 2023 18:26Die Nummern-Angabe deutet auf einheitlich belgisches Tintin hin: Die belgische Ausgabe wurde in jedem Jahr neu von 1 beginnend nummeriert, während das französische Tintin jahresübergreifend durchnummeriert wurde.
achso. O.k., das überzeugt mich. Dann ist allerdings (nur) die Reihenfolge der Geschichten in der Goscinny-Bibliographie der Reddition 34 nicht ganz richtig.

Und dann noch ein Errator:
Erik hat geschrieben: 29. Dezember 2023 11:58Letztere ist auf 111 Exemlare limitiert kommt auch dieses Mal mit einem von Dino Attanasio - nunmehr 96-jährig - handsignierten Ex-Libris daher.
Dino Attanasio ist tatsächlich schon 98 Jahre alt. Laut Wikipedia ist er am 08.05.1925 geboren:
https://de.wikipedia.org/wiki/Dino_Attanasio

Mein obiger Fehler resultiert daraus, dass insoweit die Angabe in der ALL-Verlagsvorschau irreführend ist. Das ist mir erst jetzt aufgefallen. Schon in dem Programm für das erste Halbjahr 2022 (im Dezember 2021 vorgestellt) hieß es: "Jedes Exlibirs handsigniert von dem 96-jährigen Dino Attanasio":
https://www.comicforum.de/showthread.ph ... ost5748401

Das war zu jenem Zeitpunkt natürlich zutreffend. Der gleiche Satz findet sich aber in dem jetzt Ende 2023 veröffentlichten Programm für das erste Halbjahr 2024:
https://www.comicforum.de/showthread.ph ... ost5885557

Vorstellbar wäre es, dass der ALL-Verlag die Exlibirs auch für künftige Vorzugsausgaben späterer Bände schon im Jahr 2021 "auf Vorrat" hat signieren lassen. Dann würde es jedenfalls stimmen, dass er sie 96-jährig signiert hat. Missverständlich wäre die Formulierung in einem aktuellen Programm aber auch dann. Vermutlich sind die Exlibirs der kommenden Vorzugsausgabe von Bd. 3 der Gesamtausgabe jedoch erst kürzlich von dem Künstler signiert worden oder werden es sogar erst noch. In diesem Fall wäre die Angabe in dem aktuellen Verlagsprogramm schlicht falsch.

Gruß
Erik
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Erik hat geschrieben: 31. Dezember 2023 22:39 (...) Dann ist allerdings (nur) die Reihenfolge der Geschichten in der Goscinny-Bibliographie der Reddition 34 nicht ganz richtig. (...)
Ja, es ist schwierig: Mal wird nur das frz. Tintin berücksichtigt, mal nur das belgische, mal werden beide betrachtet - und so kommt man zuweilen in Details zu abweichenden Ergebnissen. Zuweilen gibt es gar noch Unterschiede, wenn man das niederländisch/flämische Tintin, Kuifje mit einbezieht, da erschien zuweilen Geschichten, die in den frz.-sprachigen Tintins gar nicht erschienen sind.
Zudem: In welcher Reihenfolge etwas erschienen ist, muss nicht zwingend auch die Reihenfolge des Entstehens gewesen sein. Ggf. gibt es Informationen/Quellen dazu, dass es da Abweichungen gibt.

Das alles allgemein gesprochen. Konkret zu Spaghetti hab ich jetzt nicht im Detail geprüft, was da Sache ist.
Erik hat geschrieben: 31. Dezember 2023 22:39 (...) Dann ist allerdings (nur) die Reihenfolge der Geschichten in der Goscinny-Bibliographie der Reddition 34 nicht ganz richtig. (...) Der gleiche Satz findet sich aber in dem jetzt Ende 2023 veröffentlichten Programm für das erste Halbjahr 2024 (...) In diesem Fall wäre die Angabe in dem aktuellen Verlagsprogramm schlicht falsch. (...)
Ich vermute, hier liegt schlicht ein copy&paste-Fehler vor. Wäre nicht das erste Mal, dass man 'Standard-Texte' 1:1 übernimmt, ohne sie auf Aktualität o.ä. zu überprüfen. Sowas kommt überall vor, nicht nur bei ALL, nicht nur in der Comic-Branche...
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bdhk
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag bdhk »

bdhk hat geschrieben: 4. Dezember 2022 17:03Übrigens habe ich der Bedetheque entnommen, dass am 20.10.22 der 32. Band Isnogud erschienen ist. "Des bougies pour Iznogoud", also "Kerzen für Isnogud", was auch immer das in dem Zusammenhang heißen mag. Falls da ein Wortspiel drin ist, erschließt es sich mir nicht unmittelbar.
Ist nun laut Comicforum "für Frühjahr eingeplant".
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Erik
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,
Erik hat geschrieben: 31. Dezember 2023 12:24Danit ist relativ klar, dass der 3. Band der Gesamtausgabe wieder fünf Geschichten enthalten wird. Laut Reddition 34 wären die nächsten fünf albenlangen Geschichten: Spaghetti dans le Désert (1963), Spaghetti et le Grand Zampane (1963), Pas de Mirabelles pour Spaghetti (1963), Spaghetti et l'Idole (1964) und La double vie de Prosciutto (1964).

Allerdings kann es auch sein, dass statt der letztgenannten die - in der Reddition-Bibliographie nachstehend genannte - Geschichte Spaghetti à la Fête zum Abdruck kommt, denn die soll 1963 bis 1964 erschienen sein und damit wohl früher.
der Band liegt mir nunmehr vor. Enthalten sind an albenlangen Geschichten mit je 30 Comicseiten: "Spaghetti in der Wüste" (= Spaghetti dans le Désert) (1963), "Spaghetti und der große Zampone" (= Spaghetti et le Grand Zampane) (1963), "Keine Mirabellen für Spaghetti" (= Pas de Mirabelles pour Spaghetti) (1963), "Spaghetti auf dem Jahrmarkt" (= Spaghetti à la Fête) (1963/1964) und "Prosciuttos Doppelleben (= "La double vie de Prosciutto) (1964). Hinzu kommt die letzte Kurzgeschichte der Serie "Spaghettis Osterfest" (= Les Pâques de Spaghetti) (1963) mit 4 Comicseiten, was ja durchaus trefflich zum Erscheinungstermin dieses Bandes - circa eine Woche vor Ostern - passt.

Ich habe noch nicht alle der Comicgeschichten gelesen, aber die ersten sind jedenfalls wieder turbulent, wobei Spaghetti in puncto Intelligenz, Cleverness, Rechtschaffenheit, Mut und Ehrbarkeit in dem Maße gewinnt, in dem sein Vetter Prosciutto die gegenteiligen Eigenschaften verkörpert. Die begonnene Charakterentwicklung seit dem Hinzutreten Prosciuttos setzt sich also fort. Die Geschichten sind - soweit ich sie bislang gelesen habe - durchaus lesenswert, wenn auch sicherlich nicht alles große Meisterwerke.

Der siebenseitige redaktionelle Teil, der einmal mehr keinen Autoren erkennen lässt, behandelt dieses Mal schwerpunktmäßig die Arbeiten René Goscinnys in der Zeit seiner Autorenschaft von Signor Spaghetti. Insofern erfährt man hier relativ wenig über die Serie selbst und nichts über die Entstehung der einzelnen Episoden - wozu auch einfach keine Einzelheiten überliefert sein mögen -, sondern bekommt einen Abriss der Arbeitsfülle des Autors zu jener Zeit. Wenn man sich mit den Hintergründen der Asterix-Serie und ihrer Autoren bereits intensiver auseinandergeseztt hat, ist da nicht viel Neues dabei. Befasst man sich erstmals mit Goscinny, ist er aber sicherlich interessant. Die Abbildungen von Spaghetti-Coversn und -Sonderzeichnungen ist aber so oder so eine schöne Ergänzung zu den enthaltenen Comics.

Im redaktionellen Teil werden auch einige weitere Comicserien genannt, die es auf Deutsch zu geben scheint, an denen René Goscinny beteiligt war. So heißt es, dass in der 1955 von André Franquin ins Leben gerufenen Serie Mausi und Paul Goscinny wohl Co-Autor mehrerer Gags war und insbesondere die Figur eines Nachbarn "Herrn Meier" auf ihn zurückgehe. Ob das eine inoffizielle Ideengeberschaft war oder René Goscinny hier Mit- oder Aleinautor einzelner Episoden war und wo diese gegebenenfalls auf deutsch erschienen sind, wäre noch zu recherchieren - oder vielleicht weiß es hier auch jemand?

Zudem soll René Goscinny mit Maurice Maréchal eine Serie Prudence Petitpas geschaffen haben, welche auch mit deutschem Titel "Oma Pfiffig" genannt wird. Auch hierzu könnte eine weitere Recherche interessant sein.

Alle Geschichten in dem Band 3 der Gesamtausgabe werden als deutsche Erstveröffentlichungen vorgestellt, was der Angabe in der Reddition-Bibliographie, die keine deutschen Veröffentlichungen dieser Geschichten ausweist, entspricht. Als Autoren werden vorne in der Gesamtausgabe nur Dino Attanasio und René Goscinny genannt. Ob das ganz stimmt, bin ich aber im Zweifel. Das letzte Panel der Geschichte "Spaghettis Osterfest" ist signiert mit "Goscinny + Meys" und darunter mit "Attanasio". Der Name Meys taucht im redaktionellen Text auch auf, wo kurz ein Panel aus der Geschichte "Spaghetti und der große Zampone" besprochen wird, auf dem u.a. ein Boxkampf "Meys vs Weinberg" angekündigt wird. Im Text heißt es, er sei ein Autorenkollege (der Serie Le beau Pays d'Onironie) von Goscinny und Attanasio gewesen. Dass seine Signatur unter der Spaghetti-Kurzgeschichte auftaucht, deutet m.E. stark darauf hin, dass er Co-Szenarist dieser Episode neben Goscinny war. Eine andere Möglichkeit wäre, dass eine der in der Kurzgeschichte auftauchenden Personen eine Figur von ihm ist (bei Festtags-Sondercomics gab es ja seinerzeit durchaus mal Crossovers, man denke an die Kurzgeschichte "April, April" aus Pilote).

Eine aktuelle Übersicht über die bisher erschienen Bände der aktuellen Spaghetti-Gesamtausgabe hat im Comicforum (das leider seit Anfang März nicht mehr offizielles Verlagsfprum des ALL-Verlags ist, so dass der Verlagsleiter sich dort auch nicht mehr äußert) der dortige User Milano gepostet:
https://www.comicforum.de/showthread.ph ... ost5898457

Gleicht man das mit der Publikationsliste in der Reddition 34 ab, zeigt sich, dass für den nächsten Gesamtausgaben-Band jetzt noch drei 30-seitige Goscinny-Geschichten aus den Jahren 1964 und 1965 bleiben (Spaghetti et 'idole, Navigateurs solitairs und Le Rallye des Spaghetti). Das bedeutet zugleich, dass der nächste Band wahrscheinlich bereits zwei Geschichten beinhalten wird, die nicht mehr von Goscinny sind (was ja auch nicht schlecht sein muss, weil man dann selbst beurteilen kann, ob es Qualitäts- oder stilistische Unterschiede in den Texten gibt). Wann der 4. Band erscheinen wird, bleibt aber natürlich abzuwarten.

Gruß
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,

hier meine Recherche-Ergebnisse zu den im vorigen Beitrag angesprochenen Comicserien, an denen René Goscinny beteiligt war:
Erik hat geschrieben: 31. März 2024 13:21So heißt es, dass in der 1955 von André Franquin ins Leben gerufenen Serie Mausi und Paul Goscinny wohl Co-Autor mehrerer Gags war und insbesondere die Figur eines Nachbarn "Herrn Meier" auf ihn zurückgehe. Ob das eine inoffizielle Ideengeberschaft war oder René Goscinny hier Mit- oder Aleinautor einzelner Episoden war und wo diese gegebenenfalls auf deutsch erschienen sind, wäre noch zu recherchieren - oder vielleicht weiß es hier auch jemand?
100 % klar ist das Ganze zwar noch nicht, aber einiges konnte ich ermitteln. Die Serie "Mausi und Paul" von Franquin hat eine Reihe von Zeichnern, beginnend mit Franquin, von dem Dino Attanasio (der Spaghetti-Zeichner) sie ab dem 5. Band übernommen hat. Es handelt sich allerdings i.w. um Onepager, nicht um durchgehende Geschichten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mausi_und_Paul
https://fr.wikipedia.org/wiki/Modeste_et_Pompon (französisch)

Als Texter sind neben Franquin verschiedene Comicgrößen beteiligt gewesen und auch René Goscinny hat an einigen "Gags" mitgewirkt, wie man immer wieder liest. Ob das bedeutet, dass er einzelne Episoden getextet hat und seine Urheberschaft durch eine entsprechende Signatur klar zuzuordnen ist, konnte ich nicht herausfinden. Jedenfalls aber hat er, wenn man dem Comicguide glaubt, an Geschichten mitgewirkt, die in den ersten drei Bänden (alle von Franquin) enthalten sind; an den Bänden ab Nr. 4 nicht mehr:
https://www.comicguide.de/series/2664

Wie man dem vorstehend verlinkten Wikipedia-Artikel und dem Comicguide entnehmen kann, sind auf Deutsch neun Alben erschienen, alle von Franquin oder Attanasio. Die späteren Werke sind nicht mehr auf Detusch erhältlich. Da Attanasio die Serie laut französischer Wikipedia im Dezember 1968 abgegeben hat, halte ich es aber auch für ausgeschlossen, dass Goscinny danach noch mitgewirkt hat. Denn ab 1965 hat er sich ja i.w. auf seine Hauptserien (Asterix, Lucky Luke, Isnogud) konzentriert. Insofern dürften alle Geschichten der Serie mit Goscinny-Beteiligung auf Deutsch vorliegen.

Von den ersten vier "Mausi und Paul"-Bänden, also denen von Franquin, gibt es auf Deutsch zwei Gesamtausgaben. Einmal die Ausgabe von comicplus im Schuber von 1993 und einmal die Ausgabe "Die gesammelten Werke von Mausi und Paul" von Carlsen von 2016:
https://www.comicguide.de/book/31744/Mausi-und-Paul
https://www.splashcomics.de/php/rezensi ... i_und_paul

Beide Ausgaben sind vergriffen, aber antiquarisch noch zu finden. Welche der beiden Ausgaben die vorzugswürdige ist, bin ich nicht ganz sicher. Zu der Comicplus-Ausgabe findet sich nicht viel im Internet, nicht einmal die Seitenzahl. Man erfährt nur, dass sie einen "Abdruck in der Originalreihenfolge mit einleitendem Vorwort" enthalte und im Schuber - also schon eher edel aufgemacht - daherkommt. Zu der Carlsen-Ausgabe heißt es jedenfalls in der vorstehend verlinkten Splashcomics-Rezension, dass sie 70 Seiten Bonusmaterial beinhalte mit einem redaktionellen Teil, der "keine Wünsche übrig" lasse und Informationen enthalte, "die wichtig sind, um die Serie „Mausi und Paul“ würdigen und einordnen zu können". Letzteres hat mich dann überzeugt, dieser jüngeren Ausgabe - trotz ihres auf dem Sekundärmarkt deutlich höheren Preises - des Vorzug zu geben. Am ehesten aus diesem Begleitmaterial wird man das Ausmaß und die genaue Verortung von Goscinnys Beiträgen zu der Serie ersehen können.
Erik hat geschrieben: 31. März 2024 13:21Zudem soll René Goscinny mit Maurice Maréchal eine Serie Prudence Petitpas geschaffen haben, welche auch mit deutschem Titel "Oma Pfiffig" genannt wird. Auch hierzu könnte eine weitere Recherche interessant sein.
Hierzu findet man deutschsprachige Informationen hauptsächlich in der Kaukapedia:
http://www.kaukapedia.com/index.php?tit ... ter_Schlau

Demnach ist die Serie tatsächlich von 1957 bis 1960 von René Goscinny getextet worden. Auf Deutsch ist zuerst eine Episode unter dem Titel "Amalia Kleinfuss in der Bibliothek" in dem schweizerischen TIM-Magazin aus dem ATAR-Verlag erschienen. Diese ist heute mithin nicht einmal antiquarisch noch zu bekommen; oder allenfalls mit viel Glück mal punktuell. Im Übrigen sind einzelne Episoden der im Original "Prudence Petitpas" betitelten Serie in verschiedenen Fix und Foxi-Publikationen des Kauka-Verlags auf Deutsch erschienen. Laut der Übersicht in der Kaukapedia ist darunter aber keine der von Goscinny getexteten Geschichten.

In jüngerer Zeit, namentlich Ende der 1990er und Anfang der 2000er Jahre ist eine Zeichentrickserie zu den Comics prosziert worden. Über diese kann man auch etwas in der deutschen Wikipedia finden:
https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Abent ... e_Petitpas

René Goscinny hat damit aber natürlich nichts mehr zu tun.

Gruß
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Erik hat geschrieben: 31. März 2024 15:14 hier meine Recherche-Ergebnisse zu den im vorigen Beitrag angesprochenen Comicserien, an denen René Goscinny beteiligt war:
Erik hat geschrieben: 31. März 2024 13:21So heißt es, dass in der 1955 von André Franquin ins Leben gerufenen Serie Mausi und Paul Goscinny wohl Co-Autor mehrerer Gags war und insbesondere die Figur eines Nachbarn "Herrn Meier" auf ihn zurückgehe. Ob das eine inoffizielle Ideengeberschaft war oder René Goscinny hier Mit- oder Aleinautor einzelner Episoden war und wo diese gegebenenfalls auf deutsch erschienen sind, wäre noch zu recherchieren - oder vielleicht weiß es hier auch jemand?
100 % klar ist das Ganze zwar noch nicht, aber einiges konnte ich ermitteln. Die Serie "Mausi und Paul" von Franquin hat eine Reihe von Zeichnern, beginnend mit Franquin, von dem Dino Attanasio (der Spaghetti-Zeichner) sie ab dem 5. Band übernommen hat. Es handelt sich allerdings i.w. um Onepager, nicht um durchgehende Geschichten.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mausi_und_Paul
https://fr.wikipedia.org/wiki/Modeste_et_Pompon (französisch)

Als Texter sind neben Franquin verschiedene Comicgrößen beteiligt gewesen und auch René Goscinny hat an einigen "Gags" mitgewirkt, wie man immer wieder liest. Ob das bedeutet, dass er einzelne Episoden getextet hat und seine Urheberschaft durch eine entsprechende Signatur klar zuzuordnen ist, konnte ich nicht herausfinden. Jedenfalls aber hat er, wenn man dem Comicguide glaubt, an Geschichten mitgewirkt, die in den ersten drei Bänden (alle von Franquin) enthalten sind; an den Bänden ab Nr. 4 nicht mehr:
https://www.comicguide.de/series/2664
Die sassen doch damals alle regelmässig in den Redaktionskonferenzen der Zeitschriften, für die sie gemeinsam ablieferten, beisammen. Da würde mich nicht wundern, wenn da im Brainstorming-Prozess immer wieder auch andere Autoren Ideen/Gags beigesteuert hatten, die dann aber nirgends hinsichtlich ihrer Urheberschaft festgehalten worden wären.
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,
Erik hat geschrieben: 31. März 2024 15:14Zu der Carlsen-Ausgabe heißt es jedenfalls in der vorstehend verlinkten Splashcomics-Rezension, dass sie 70 Seiten Bonusmaterial beinhalte mit einem redaktionellen Teil, der "keine Wünsche übrig" lasse und Informationen enthalte, "die wichtig sind, um die Serie „Mausi und Paul“ würdigen und einordnen zu können". Letzteres hat mich dann überzeugt, dieser jüngeren Ausgabe - trotz ihres auf dem Sekundärmarkt deutlich höheren Preises - des Vorzug zu geben. Am ehesten aus diesem Begleitmaterial wird man das Ausmaß und die genaue Verortung von Goscinnys Beiträgen zu der Serie ersehen können.
diese Ausgabe liegt mir nun vor und ich habe sowohl den redaktionellen Teil (der dann allerdings doch ein paar Wünsche offen lässt) als auch ein paar der 183 Onepager von "Mausi und Paul" gelesen.

Der redaktionelle Teil ist mit 77 Seiten durchaus großzügig angelegt. Er stammt von verschiedenen Autoren, der erste Beitrag von Christelle und Bertrand Pissavy-Yvernault, welche auch die redaktionellen Teile der neuen Lucky Luke Gesamtausgabe schreiben, der zweite Beitrag von Isabelle Franquin, der Tochter des Zeichners (und teilweise Texters) der Mausi und Paul-Comics.

Die Entstehungsgeschichte der Serie - mit der René Goscinny zunächst erst einmal nichts zu tun hatte - wird in dem Beitrag des Ehepaars Pissavy-Yvernault sehr wort- und teils auch detailreich geschildert, wobei allerdings doch an entscheidenden Stellen große Fragezeichen verbleiben.

Es ist demnach so, dass Franquin, der Hauszeichner des Spirou-Magazins aus dem Dupuis-Verlag, Anfang 1955 in Streit mit seinem Verleger geriet. Dieser hatte zunächst hinter seinem Rücken Nachdrucke von Franquins Alben produziert, um ihm damit Tantiemen in erheblicher Höhe nicht zahlen zu müssen. Zudem hatte er mit Franquin vereinbart, dessen Tantiemen, teils rückwirkend, von 10 % bzw. 8 % auf 5 % zu kürzen, dafür aber im Gegenzug die Produktion einer höheren Auflage von bestimmten Comicalben zugesagt. Von dieser nur mündlichen Zusage einer "Gegenleistung" wollte er dann allerdings nichts mehr wissen. Als Franquin sich wohl deutlich beschwerte, reagierte der Verleger nicht diplomatisch, sondern äußerte, auf seine Arbeit verzichten zu wollen, wenn er seine Meinung nicht ändere. Daraufhin kündigte Franquin und führte Gespräche mit dem konkurrierenden Verleger des Tintin-Magazins.

In dem Bewusstsein, auf Franquin nicht verzichten zu können, soll Dupuis daraufhin an die Gefühle Franquins appelliert haben, weil in dem Verlag wohl stets eine familiäre Atmosphäre gelebt wurde. Hierzu wird dann lediglich eine kurze Passage aus dem Tagebuch von Franquins Ehefrau zitiert, aus der sich ergibt, dass Dupuis mit Tränen in den Augen, aber geöffnetem Portemonnaie dagestanden habe. Sodann heißt es jedoch, Franquin sei "reumütig" zurückgekommen. Über die Konditionen dieses Zurückkommens, also ob der Streit in seinem Sinne oder in Dupuis Sinne geregelt wurde oder es einen Kompromiss gab, liest man nichts. Lediglich heißt es noch, Dupuis habe nach der Einigung einen Brief geschrieben, in dem er seine Freude über Franquins Rückkehr diesem gegenüber in etwas unangemessenem Ton ausgedrückt habe (dass man über die Unangemessenheit im Text nichts näher erfährt, liegt daran, dass der Brief unübersetzt als Bild abgedruckt ist). Franquin habe aber trotz der Unangemessenheit seine Kündigung zurückgezogen.

Obgleich er zu diesem Zeitpunkt - nur zwei Wochen nach Ausbrechen des Streits - bei dem Tintin-Verleger noch keine Verpflichtungen eingegangen gewesen sei, sondern es lediglich ein erstes Gespräch gegeben habe, habe Franquin die dortigen Verhandlungen weitergeführt und letztlich einen Fünfjahresvertrag (zu für ihn durchaus ungünstigen Konditionen, da er nur das Entgelt eines Berufsanfängers erhalten habe) abgeschlossen, der ihn verpflichtet habe, wöchentlich eine Seite "Modeste et Pompon" (dt. "Mausi und Paul") abzuliefern.

Es wird in dem Text sodann mehrfach mit drastischen Worten beschrieben, dass dies nicht nur für Franquin eine erhebliche, kaum zu stemmende Arbeitsmehrbelastung bedeutete, sondern auch, dass er es als wahre Strafarbeit empfand ("fünf Jahre ohne Bewährung", "er ist es, der die Rechnung zahlen wird", vorzeitige Vertragsbeendigung nach vier Jahren als "Straferlass"), für das Tintin-Magazin die wöchentliche Seite abliefern zu müssen. Dies lässt die Frage offen, weshalb Franquin diesen Vertrag unterzeichnet hat. Wäre es tatsächlich so, dass der Streit mit Dupuis beigelegt und die Kündigung zurückgezogen war, bevor er eine vertragliche Verpflichtung beim Tintin-Magazin eingegangen war, wäre unverständlich, wieso er dann noch den Vertrag unterzeichnet hat. Selbst wenn er nach dem Erstgespräch dort "im Wort" gestanden hätte, wäre ein Knebelvertrag über 5 Jahre ohne Ausstiegsmöglichkeit zu eher geringer Vergütung nicht erklärlich. Zu vermuten wäre eher, dass er zunächst doch nicht so ganz zu Dupuis zurückkehren, sondern auch bei der Konkurrenz einen Fuß in der Tür behalten wollte. Ausgeführt wird das aber im redaktionellen Text so in keiner Weise.

In weiteren Teilen des Vorworts werden die beiden - neben Franquin selbst - Hauttexter der Serie kurz vorgestellt. Der erste ist Goscinny, der zweite Greg (alias Michel Regnier). Wann genau Goscinny hinzugekommen ist, erfährt man nicht. Immerhin wird aber aus einem Brief vom 30. September 1956 zitiert, dass Franquin Goscinny schrieb, dass drei seiner Gags schon gezeichnet seien. Insofern hatte die Zusammenarbeit zu diesem Zeitpunkt wohl jüngst begonnen.

Man erfährt ebenfalls nicht nach Art einer Auflistung, welche der Onepager, die keine eigene Titel tragen, von Goscinny getextet wurden. Häufig tragen diese Onepager im letzten Panel allerdings Signaturen von Franquin mit Jahreszahl und ggf. von einem Szenaristen. Es gibt allerdings auch diverse Seiten ohne Signatur. Aus dem redaktionellen Text ergibt sich allerdings noch, dass nur Goscinny den Nachbarn Herrn Meier eingebaut habe und nur Greg den Nachbaun Herrn Mayer. Weshalb viele Strips nicht signiert sind, ist nicht ganz klar. Ein Erklärungsansatz wird allerdings insoweit geliefert, als dass die Signaturen wohl vom Redakteur oder Verleger teilweise ausradiert wurden, um keine fremden Rechte an den Figuren zu begründen (eine übertünchte Signatur, bei der Goscinny noch durchscheint, findet sich z.B. aus Seite 158 des Bandes). Hierzu haben Franquin und Goscinny dann allerdings Gespräche geführt, über deren Ausgang nichts erwähnt wird. Ob das also insbesondere auch die späteren Fälle von Seiten ohne Signatur erlären kann, erscheint fraglich.

Zu einem nicht näher bekannten Zeitpunkt ist Goscinny dann aus der Serie ausgestiegen, weil Franquin nicht genug seiner Szenarios umgesetzt hat, sondern sich mehr Gregs Szenarien zuwandte.

In der Bibliographie - die mithilfe von Volker Hamann erstellt wurde - ist ersichtlich, dass die Serie insgesamt vom 19.Oktober 1955 bis 15. Juli 1959 im belgischen Tintin (und vom 01.12.1955 bis 28.04.1960 im französischen Tintin) erstveröffentlicht wurde. Welche Seiten in welcher Ausgabe veröffentlicht wurden, ist aber nicht einzeln dokumentiert. Das ist insofern misslich, als man so keinen Abgleich mit der Goscinny-Bibliographie in der Reddition 34 vornehmen kann, in der insgesamt 13 Epidosen in konkret bezeichneten Tintin-Ausgaben als von Goscinny stammend aufgeführt sind. - Eine abschließende Übersicht aller von Goscinny getexteten Geschichten bekommt man also mit dieser Gesamtausgabe nicht, lediglich die (annähernde) Gewissheit, dass man (auch) sie alle gelesen haben wird, wenn man den Band denn druchgelesen hat.

Ebenfalls ergibt sich aus der Bibliographie, dass die Serie auf Deutsch bereits mit 2 Onepagern als "Pompon" und "Max und Peter" im Tim-Magazin des Atar-Verlags sowie als "Pit und Petra" bzw. später "Pitter und Petra" im Bastei-Verlag erschienen sind, bevor comicplus sie in den 1980er und 1990er Jahren als Album unter dem heutigen Titel herausbrachte. Inwieweit diese früheren deutschsprachigen Ausgaben schon Goscinny-Geschichten umfassten, erfährt man nicht.

Inhaltlich rechtfertigt sich der deutsche Titel der Serie nur sehr teilweise. Die Voanstellung von "Mausi" entspringt wohl den guten Marnieren eines Gentleman. In den Comics ist aber unzweifelhaft Paul die Hauptfigur und "Mausi" seine im Hintergrund bleibende Freundin, der zumeist allenfalls eine Statistinnenrolle zukommt.

Die Gags sind mal mehr mal weniger spaßig, wie das bei einem solchen Fundus von Kurzcomics zu erwarten ist. Die einzelnen Geschichtchen sind dabei allerdings zu kurz, als dass ich konkret einen Goscinny-typischen Humor ausmachen kann. Die Art der Gags zwischen (den wenigen als solchen kenntlichen) Goscinny-Geschichten und Greg- oder Franquin-Geschichten unterscheidet sich nicht für mich erkennbar.

Gruß
Erik
Zuletzt geändert von Erik am 13. April 2024 22:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Erik hat geschrieben: 13. April 2024 19:40 Es ist demnach so, dass Franquin, der Hauszeichner des Spirou-Magazins aus dem Dupuis-Verlag, Anfang 1955 in Streit mit seinem Verleger geriet. Dieser hatte zunächst hinter seinem Rücken Nachdrucke von Franquins Alben produziert, um ihm damit Tantiemen in erheblicher Höhe nicht zahlen zu müssen. Zudem hatte er mit Franquin vereinbart, dessen Tantiemen, teils rückwirkend, von 10 % bzw. 8 % auf 5 % zu kürzen, dafür aber im Gegenzug die Produktion einer höheren Auflage von bestimmten Comicalben zugesagt. Von dieser nur mündlichen Zusage einer "Gegenleistung" wollte er dann allerdings nichts mehr wissen. Als Franquin sich wohl deutlich beschwerte, reagierte der Verleger nicht diplomatisch, sondern äußerte, auf seine Arbeit verzichten zu wollen, wenn er seine Meinung nicht ändere. Daraufhin kündigte Franquin und führte Gespräche mit dem konkurrierenden Verleger des Tintin-Magazins.
Da wundert es nicht, dass Franquin depressiv werden musste... :roll:
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