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Jeder Asterix-Leser kennt den einleitenden Satz der Asterix-Abenteuer: "Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt ...", denn so steht es in jedem Album. Jedoch muss klar sein, dass sich nicht alle Geschichten in einem Jahr abgespielt haben können. Zum einen erfordern die Reisen der Gallier selbst bei Mithilfe von fliegenden Teppichen und Zaubertränken ihre Zeit - eine der wenigen genannten Fakten zur Reisedauer ist im Werbeprospekt zur Trabantenstadt erwähnt. Dort steht dass die Trabantenstadt, die sich in der Nähe des gallischen Dorfes befinden soll, keine drei Wochen von der Stadtmitte Roms und knapp eine Woche von der Stadtmitte Lutetias entfernt sei. Zudem lassen es auch die historischen Fakten, die in einigen Geschichten erwähnt werden oder sogar wichtig für die Handlung sind, nicht zu, dass Asterix und Obelix nur im Jahr 50 v. Chr. ihre Abenteuer bestehen.

Asterix-ZeitleisteEs ist also anzunehmen, dass die Erwähnung des Jahres 50 v. Chr. nur eine ungefähre Zeitangabe sein kann. Zwingend ist, dass sich die Abenteuer zwischen den Jahren 52 v. Chr. und 44 v. Chr. abgespielt haben müssen. Das erste Datum kennzeichnet die Niederlage des Arvernerhäuptlings Vercingetorix, dessen Schicksal im ersten Abenteuer "Asterix der Gallier" beschrieben wird. Dort erfahren die Römer zum ersten Mal vom Zaubertrank und deshalb beginnt hier die Historie von Asterix. Das Bild unten aus dem Album "Asterix und der Arvernerschild" symbolisiert übrigens die Kapitulation und die Niederlegung der Waffen der Gallier. Und schließlich basiert die ganze Asterix-Serie auf dem Zwist zwischen dem gallischen Widerstandsnest und dem Willen ihres großen Widersachers Julius Cäsar, das Dorf für alle Zeiten endlich dem römischen Imperium einzuverleiben um endlich ganz Gallien besetzt zu haben. Historisch belegt ist, dass Cäsar im März 44 v. Chr. ermordet wird, deshalb ist dies die andere zeitliche Barriere, die nicht überschritten werden kann.

VercingetorixNatürlich haben sich die Autoren niemals Gedanken über die zeitliche Abfolge der einzelnen Asterix-Abenteuer gemacht. Trotzdem haben sie es nicht unterlassen, einzelne Abenteuer in einen geschichtlichen Kontext zu setzen oder sogar Abenteuer untereinander zu verknüpfen. Die gesetzten geschichtlichen Rahmen sind unter anderem die Olympischen Spiele in "Asterix bei den Olympischen Spielen", die Schlacht von Thapsus in Afrika in "Asterix als Legionär" oder auch die Zusammenhänge von Kleopatra und Cäsar und deren leiblichen Sohn Ptolemäus XVI in "Der Sohn des Asterix". Zudem haben einige Asterix-Abenteuer untereinander eine zeitliche Abhängigkeit. So besuchen anlässlich des Jahrestages der Schlacht von Gergovia in "Asterix auf Korsika" verschiedene Gäste das gallische Dorf, die die Gallier in den Abenteuern zuvor kennenlernten. Oder Obelix lässt auf Seite 8 des Albums "Tour de France" Grüße an Gaius Obtus ausrichten, den Trainer der Gladiatoren aus "Asterix als Gladiator".

Dieser Themenbereich, der auf den Ideen der Comedix-Gäste "Jaap" und "Aktuar" beruht, versucht nun in einer interaktiven Zeitleiste die geschichtlichen Zusammenhänge und die Abfolgen der Asterix-Abenteuer miteinander zu verknüpfen. Da die Autoren nie die Absicht hatten eine chronologische Geschichte zu erzählen, sondern jedes Abenteuer für sich erzählt wird, entstehen auch Inkonsistenzen, die auch hier nicht aufgelöst werden können. So wird das Erscheinen und die Anwesenheit von Idefix, der in der französischen Originalreihenfolge zuerst im Album "Tour de France" auftaucht, nicht berücksichtigt. Ebenso entsteht durch das Auftauchen von Pompejus im Album "Asterix und Latraviata" und dem Zusammenhang zwischen der Beziehung von Falbala und Tragicomix aus "Asterix als Legionär" eine Abhängigkeit, die nicht geklärt werden kann.

Auch die Feldzüge Cäsars gegen Britannien in den Jahren 55 und 54 v. Chr. lassen sich nicht mit den Geschehnissen des Heftes "Asterix bei den Briten" in Einklag bringen, die nach meiner Definition erst nach 52 v. Chr. stattfinden. Und natürlich dauerten in der Antike die Reisen nach Rom, Hispanien und Griechenland deutlich länger, als es die engen Zeiträumen zwischen 52 und 44 v. Chr. zulassen. Also müssen wir bei den Berechnungen der Zeitspannen davon ausgehen, dass Asterix und Obelix ihre Reisen mit Zaubertrank beschleunigt haben. Die einzig verlässliche Größe für das Vergehen von Zeit ist folglich der gezeichnete Vollmond, der übrigens im Album "Die Odyssee" sechs Mal mit mehreren Tagen Abstand zu sehen ist - also entsprechend mindestens fünf vergangenen Monaten - und damit am häufigsten aller Abenteuer.

Darüber hinaus stehen in den meisten Alben die Bäume in sattem Grün am Wegesrand, weshalb die Geschichten zumindest zwischen Mitte März und Mitte Oktober spielen müssen, und auch das sind schon Zugeständnisse an die Begebenheiten, denn wahrscheinlich sind in der Bretagne weder im März noch im Oktober schon beziehungsweise noch keine Blätter an den Bäumen. Die vorgenannten Bedingungen der Asterix-Bände untereinander, der historischen Fakten und der jahreszeitlichen Umstände erzwingen teilweise eine andere Reihenfolge als die bekannte Erscheinungsweise. Doch wenn es keine zwingenden Gründe für eine andere Abfolge gab, kam die urspruengliche Reihenfolge der Asterix-Abenteuer von ihrem Erscheinen in Frankreich zur Anwendung.




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