Werke mit Goscinny-Beteiligung

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WeissNix
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

bdhk hat geschrieben: 25. Januar 2023 17:50 Vielleicht ist es tatsächlich ein ganz guter Filter, wenn man sich auf die Werke beschränkt, die auf Deutsch vorliegen. Um eine Übersetzung anzustoßen, muss wenigstens irgendwann mal irgendjemand der Meinung gewesen sein, dass es sich nicht um kompletten Schund handelt.
Selbst da bin ich nicht komplett:
Die GA von Pit Pistol, Luc Junior und latürnich Umpah-Pah habe ich, ebenso die Dingo-Dossiers (mit Gotlib). Die GA von Benjamin und Benjamine hab ich hingegen ausgelassen. Valentin (mit Tabary; nur die ersten Kurzgeschichten darin mit Texten von Goscinny, der Rest komplett Tabary) habe ich nur die GA1 (von ALL), die hat mich aber selbst hinsichtlich der Kurzgeschichten von Goscinny nicht wirklich überzeugen können; GA2 hab ich gar nicht mehr gekauft. Und Spaghetti und den anderen (was war das noch, Kasimir? Zu faul zum Scrollen...) hab ich nach dem Eindruck von Pit Pistol, Luc Junior und Valentin auch nicht gekauft (überzeugt hatte mich von den o.G. nur Umpah-Pah, und die Dingodossiers fand ich streckenweise recht witzig) - setze mein Geld, Zeit und Platz inzwischen lieber für andere Autoren und meisst andere Stilrichtungen ein.

Ein wenig davon findet Ihr ja in diesem Thread (ab Seite 2)
https://www.comedix.de/pinboard/viewtop ... =15&t=8635
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Nullnullsix
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Erik hat geschrieben: 25. Januar 2023 17:48 (...) Sind in der Zeitschriftenreihe für an Goscinny/Uderzo-Comics und deren Hintergründen Interessierte lohnende Beiträge enthalten? (...)
Eher nicht. Das meiste ist ja eh' komplett veraltet, weil über 20 Jahre alt. Was davon überhaupt noch von Interesse ist, wird zudem vermutlich früher oder später anderweitig (wieder) veröffentlicht werden... - Also, wenn überhaupt, wirklich nur was für 'Hardcore-ZACK-Fans' und die dürften das im Zweifel alles schon haben...
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Erik hat geschrieben: 22. Januar 2023 13:37René Goscinny das Szenario des Bandes "Das Gold des alten Lender" (frz. "L'or du vieux Lender") der Serie "Jerry Spring" von Jijé (einem der Nacholgezeichner Uderzos an der Serie "Tanguy und Laverdure") verfasst hat. Die Zusammenarbeit zwischen den beiden soll nicht sehr harmonisch verlaufen sein, auch weil Jijé wohl teilweise eigenmächtig Szenen anders umgesetzt hat als von Goscinny verfasst. Insofern ist es auch hier bei diesem einen von Goscinny getexteten Album der Reihe geblieben.

Der Band ist auf Deutsch ebenfalls im Bastei-Verlag unter dem Titel "Fluch des Goldes" in dem Doppelband "Jagd ohne Gnade" von 1972 (wahrscheinlich auch nur in SC) erschienen:
https://www.comicguide.de/book/25544/Jerry-Spring-11

[...]

nach dem, was ich davon gesehen habe, ist das eine realistisch gezeichnete Comicserie, die mit Asterix oder Lucky Luke stilistisch nichts zu tun hat.

[...]

Ich bin mal gespannt, ob man Goscinnys "Handschrift" in den Geschichten (bzw. natürlich deren deutschen Übersetzungen) erkennen kann.
Es ist eine realistisch gezeichnete Geschichte, sehr heldenhafte Physiognomien, alles sehr düster, viele Schatten. Auch inhaltlich: Menschen werden ermordet, ihre am Ende überführten Mörder werden am Galgen landen. Es ist eher ein Krimi, ein Whodunnit, im Western-Setting. Hat für mich nichts von Goscinny, aber das liegt halt einfach daran, dass es komplett "unfunny" ist.

Witzigerweise gibt es zwei große Ähnlichkeiten zwischen Jerry Spring und Lucky Luke: Zum einen die Kleidung, blaue Hose, gelbes Hemd, rotes Halstuch, weißer Hut. Keine Weste, aber an der einen oder anderen Stelle wirkt der Schattenwurf wie eine schwarze Weste, so dass der Held wie ein realistischer Lucky Luke aussieht. Der Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass er seinen Widersachern die Pistolen aus den Händen schießt.

Auch hier wieder eine Geschichte, die man sich mal angucken kann, weil sie eine weitere untypische Ebene von Goscinnys Schaffen illustriert. Aber wenn man sie nicht kennt, hat man auch keine übergroße Bildungslücke. Für die paar Euro, die man investieren muss, kann man aber durchaus zuschlagen, so ist es nicht.
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Nullnullsix
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Ja, nicht 'funny'. Natürlich nicht, da hätte ich vielleicht warnen sollen (mir war das zu selbstverständlich). Jijé ist tatsächlich nicht nur ein funny-Zeichner gewesen (u.a. Spirou vor Franquin), er hat auch mit Valhardi eine Serie geschaffen, die als die erste 'ralistische' franco-belgische Serie gilt. Und mit Jerry Spring zeichnete er den ersten 'realistischen' franco-belgischen western, quasi den 'Ur-Vater' von Blueberry, Comanche uvm. Überhaupt hatte Jijé seine Finger fast überall drin: Er hat aushilfsweise an Lucky Luke mitgezeichnet, an Blueberry, wie schon erwähnt, Tang(u)y von Uderzo übernommen, später den roten Korsaren (Vorbild für die Piraten aus Asterix) und er gilt als der Begründer der 'ecole Marcinelle', die oft als Gegenbegriff zu Hergés 'Ligne Claire' benutzt wird.
Trotz des legendären Rufes von Tim & Struppi, Hergé und dem Magazin Tintin: Ich halte Jijé tatsächlich für den bedeuteren 'Ur-Vater' der franco-belgischen Comics, wie wir sie heute kennen... Ich denke, seine Bedeutung wird oft in dem Maße unterschätzt, wie die von Hergé überschätzt wird...
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Nullnullsix hat geschrieben: 27. Januar 2023 04:15 Ja, nicht 'funny'. Natürlich nicht, da hätte ich vielleicht warnen sollen (mir war das zu selbstverständlich).
Ja, das war mir schon klar - den Wikipedia-Artikel hatte ich dann doch einmal gelesen, so ist es nicht ;-) Ich dachte nur, ich erwähne es halt in meiner "Mini-Rezension". Hätte ja auch sein können, dass es wegen Goscinny zumindest mal ansatzweise einen Gag gibt.
Nullnullsix hat geschrieben: 27. Januar 2023 04:15Jijé [...] hat [...] Tang(u)y von Uderzo übernommen
Ich weiß. Den habe ich mir sogar zugelegt (auf Deutsch erhältliches Goscinny- oder Uderzo-Werk), aber er steht noch ungelesen im Regal.
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Erik
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,

mir liegt die Chick Bill-Geschichte ("Urlaub in der Todeswüste", orig. "La bonne mine de Doc Bull") jetzt sowohl in der Bastei-Ausgabe wie auch in der französischen Ausgabe von Lombard vor (wenn letztere auch aufgrund deutlichen Kellergeruchs, der bei der Zustandsbeschreibung natürlich keine Erwähnnung fand, schwer erträglich ist :-( ). Bereits von den Äußerlichkeiten her macht das einen Unterscheid wie Tag und Nacht: die französische Ausgabe ist ein Hardcover-Album. Beide Autoren werden genannt. Auf dem Cover heißt es: "Les aventures de Chick Bill par Tibet" und auf dem Titelseite innen: "Une histoire du Journal de Tintin d'après un scénario de R. Goscinny". In dem Bastei-Heft sucht man eine Angabe des Zeichners oder des Texters vergeblich. Es wird auch im Impressum nicht darauf hingewiesen, dass es die Übernahme eines französischen Werks ist und insofern wird auch kein Übersetzer benannt. Dass diese Nichtwürdigung der Urheber seitens des Bastei-Verlags noch im Jahr 1983 stattfand, ist schon bemerkenswert. Zudem ist es ein Billigheft (1,90 DM war schon 1983 wohl sehr erschwinglich) ohne festen Umschlag und im deutlich kleineren Format als DIN A4 (ca. 18 cm x 26 cm, wobei noch eine breite "Kopfzeile" mit Illustration verwendet wird, so dass die Comicpanels doch sehr klein wirken verglichen mit denen in einem gewöhnlichen Albenformat).
bdhk hat geschrieben: 24. Januar 2023 15:08Ich habe das Heft nun vorliegen und finde die Mischung aus realistischem Western und Funny nicht sehr gelungen. Die Gags wirken unpassend und als klamaukige Fremdkörper in der sonst "ernsten" und realistisch gezeichneten Geschichte. Insbesondere die Auflösung passt überhaupt nicht zur Geschichte.
Jednefalls mit meinen durch diese Einschätzung von Dir heruntergeschraubten Erwartungen war ich von der Geschichte eher positiv überrascht. Ich stimme zwar zu, dass es sich gewiss nicht um ein Meisterwerk Goscinnys handelt. Mit seinen Lucky Luke-Geschichten (soweit mir noch erinnerlich oder wieder vorliegend) kann sie nicht mithalten. Insbesondere sind da ein bis zwei Story-Löcher drin, über die man schon sehr großzügig hinwegsehen muss. Aber ganz so unpassend fand ich die Gags dann doch nicht. Man merkt schon punktuell ein wenig die Goscinny-Handschrift, finde ich, insbesondere wenn eine Szene (die Zwangsarbeit in der Küche nach dem Nichtzahlenkönnen einer Rechnung) in etwas anderer Gestalt überraschend ein zweites mal Auftritt oder wenn eine (zunächst erwartbare) Enttäuschung der Protagonisten in einem nächsten Schritt noch überraschend intensiviert wird. Dass gerade die Sprachspiele oft etwas lahm daherkommen, mag auch an der Übersetzung liegen.

Nicht wirklich gefallen mir die Zeichnungen. Diese können mit Morris' Lucky Luke bei weitem nicht mithalten. Ich würde sie allerdings nicht als "realistisch gezeichnet" einordnen. Sicher sind sie realistischer als bei Lucky Luke. Aber gerade wenn man sich die großen Naen anschaut, haben die Figuren überwiegend keine realistische Physiognomie. Es ist insofern schon eher ein Semi-Funny. Allerdings wirkt insbesondere der Protagonist, Chick Bill, als Figur einfallslos und wenig prägnant. Im Grunde gilt das auch für die meisten anderen Figuren, am wenigsten noch für Sheriff Dog Bull und den Gegenspieler Senor Moquito. Auch eine ausgeprägte Mimik weisen die Figuren durchgängig eher nicht auf.
bdhk hat geschrieben: 24. Januar 2023 15:08Witzigerweise gibt es einen Jolly-Jumper-Moment, in dem der Held mit seinem Pferd kommuniziert und dieses anschließend menschlich handelnd in die Geschichte eingreift - in Gestalt einer Befreiung des Helden aus einem Gefängnis.
Tatsächlich habe ich diese Szene, die m.E. eher einen Tiefpunkt der Geschichte darstellt, weniger mit Lucky Luke assoziiert. Das kommt daher, dass m.E. Jolly Jumper nie komplexe Anweisungen von Menschen befolgt bzw. komplexe Handlungen ausführt. Es wird auch - anders als in der hiesigen Szene für Chick Bill - nie gesagt, dass Lucky Luke "Pferdesprache" spreche.

Ich hatte allerdings eine Assoziation zu "Streit um Asterix", als auf Seite 15 im letzten Panel, als die Protagonisten in einer aussichtslosen Lage sind, plötzlich "Ende" steht und es dann auf der nächsten Seite (natürlich) doch weiter geht.
Nullnullsix hat geschrieben: 24. Januar 2023 15:37Ich hab das fragliche Chick-Bill-Heft nicht, aber nach den mir vorliegenden Informationen erschien die Geschichte dort nur in gekürzter Form. Wie viel gekürzt und inwieweit sich das möglicherweise auf die Qualität der Geschichte ausgewirkt haben mag, vermag ich nicht zu beurteilen.
bdhk hat geschrieben: 24. Januar 2023 17:58Das scheint zu stimmen. Das französische Album hat offenbar 48 Seiten, das deutsche Bastei-Heft nur 32 (davon 30 Story).
Tatsächlich ist die deutsche Ausgabe der Geschichte erheblich viel weniger gekürzt als man es nach diesem Seitenverhältnis befürchten könnte. Es fehlt "nur" eine Comicseite, namentlich die drittletzte. Die Auslassung ist handwerklich relativ gut gemacht. Wenn man es nicht weiß, fällt sie nicht auf. Dazu ist in dem ersten Panel der vorletzten Seite in der deutschen Fassung ein kurzer Textkasten eingefügt und der Text einer Person (der sich auf die vorghergehende, fehlende Seite bezieht) mit anderem Sinngehalt übersetzt worden. Soweit ich das sehe, werden auf der fehlenden französischen Comicseite hauptsächlich (sich mir letztlich nicht erschließende) Wortspiele mit den Begriffen beau-frère (Schwager) und beau-père (Schwiegervater) und den Bedeutungen von "beau frère" (schöner Bruder) und "beau père" (schöner Vater) gemacht, die für die Geschichte insgesamt verzichtbar sind.

Die restliche Seitendifferenz erklärt sich dadurch, dass in dem französischen Album noch zwei nicht-titelgebende Chick-Bill-Kurzgeschichten, die allein von Tibet stammen ("Kid, l'idole des jaunes", 7 Seiten und "Le flic au flair", 9 Seiten) angefügt wurden - wohl gezielt, um ein 48-seitiges Album vollzubekommen.

Eine "qualitative Kürzung" stellt aber natürlich das deutlich kleinere Format des deutschen Abdrucks gegenüber dem französischen Original dar.


Zu Jerry Spring: Da ich ja die Ausgabe aus dem ALL-Verlag vorbestellt habe, die erst im März erscheinen soll, kann ich dazu inhaltlich nocht nicht sagen. Vorab nur soviel:
bdhk hat geschrieben: 26. Januar 2023 19:14Witzigerweise gibt es zwei große Ähnlichkeiten zwischen Jerry Spring und Lucky Luke: Zum einen die Kleidung, blaue Hose, gelbes Hemd, rotes Halstuch, weißer Hut. Keine Weste, aber an der einen oder anderen Stelle wirkt der Schattenwurf wie eine schwarze Weste, so dass der Held wie ein realistischer Lucky Luke aussieht. Der Eindruck wird noch dadurch verstärkt, dass er seinen Widersachern die Pistolen aus den Händen schießt.
Beides könnte eher zufällig sein. Soweit ich mal gelesen habe (wo, erinnere ich gerade nicht) soll die Farbgebung von Lucky Luke (gelbes Hemd, schwarze Weste, rotes Halstuch) die Nationalfarben Belgiens, d. h. der belgischen Flagge, wiedergeben. Da auch Jerry Spring ja ein belgisches Produkt ist, mag sich die Verwendung dieser Farben auch dort angeboten haben. Ob bzw. ggf. ab wann Jerry Spring überhaupt im Original koloriert erschienen ist, erscheint zudem zweilfelhaft vor dem Hinterhgrund, dass die ECC ihre Gesamtausgabe in schwarz-weiß herausgebracht hat. Das könnte jedenfalls dafür sprechen, dass dies die ursprüngliche Veröffentlichungsform war. Denn dass die ECC in einer Gesamtausgabe eine bestehende Koloroerung einfach weglässt, fände ich ungewöhnlicher.

Dass Lucky Lucke seinen Gegnern ab einem bestimmten Zeitpunkt die Waffen entweder aus den Händen oder in den Händen kaputt schießt anstatt die Gegner zu erschießen, wie es eher westerntypisch wäre, lag, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, daran, dass die französische Jugendschutzbehörde in den 1950er und 1960er Jahren strenge Zensurbestimmungen hatte und in Comics keine Menschen mehr erschossen werden durften. Da dem auch Jerry Spring unterfallen sein dürfte, mag sich diese Parallelität auch so erklären.
Nullnullsix hat geschrieben: 27. Januar 2023 04:15Ja, nicht 'funny'. Natürlich nicht, da hätte ich vielleicht warnen sollen (mir war das zu selbstverständlich).
Anders als bdhk hatte ich vor dem Bestellen der Ausgabe zwar nicht in der Wikipedia gelesen oder mich sonst über den Inhalt von Jerry Spring erheblich (über den Verlagstext hinaus) vorinformiert. Eine Warnung wäre aber gleichwohl nicht vonnöten gewesen, da ich den Band so oder so bestellt hätte.

Dass es sich um keine humoristische, sondern eine ernste Geschichte handelt, finde ich aber insofern schon sehr überraschend. Denn mir ist kein anderes Beispiel bekannt, wo René Goscinny eine nicht-humoristische Geschichte geschrieben hätte. Das ist m.E. sehr untypisch für sein Werkschaffen. Zwar hat er in den Anfangsjahren als Auftragarbeit mit Albert Uderzo diese illustrierte Benimmregel-Serie gemacht, die sicherlich nicht humoristisch war. Aber das war ja keine fiktive Geschichte in dem Sinne und schon gar kein Comic.

Insofern wird man in der Jerry Spring-Geschichte sicherlich keine Parallelitäten zu anderen deutschsprachig erschienenen Goscinny-Werken finden. Zugleich wird es interessant sein, mal eine ganz andere Art von Arbeit dieses Szenaristen zu lesen. Ich bleibe gespannt.

Gruß
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Nullnullsix
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Nur mal kurz zu Lucky Luke und Jerry Spring:

In dem Band "Den Daltons auf der Spur" gibt's n Kurzauftritt von Jerry Spring:
Bild
(Als ich den Comic zum ersten Mal gelesen hab, kannte ich Jerry Spring noch nicht und dachte, es wär ne Karikatur von Elvis... ;-) )
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WeissNix
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag WeissNix »

Nullnullsix hat geschrieben: 4. Februar 2023 23:46 (Als ich den Comic zum ersten Mal gelesen hab, kannte ich Jerry Spring noch nicht und dachte, es wär ne Karikatur von Elvis... ;-) )
Das hatte ich bis eben auch gedacht und jetzt hast Du mir einen Mythos zerstört... :hammer: :-D
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Erik hat geschrieben: 4. Februar 2023 15:37Soweit ich mal gelesen habe (wo, erinnere ich gerade nicht) soll die Farbgebung von Lucky Luke (gelbes Hemd, schwarze Weste, rotes Halstuch) die Nationalfarben Belgiens, d. h. der belgischen Flagge, wiedergeben. Da auch Jerry Spring ja ein belgisches Produkt ist, mag sich die Verwendung dieser Farben auch dort angeboten haben. Ob bzw. ggf. ab wann Jerry Spring überhaupt im Original koloriert erschienen ist, erscheint zudem zweilfelhaft vor dem Hinterhgrund, dass die ECC ihre Gesamtausgabe in schwarz-weiß herausgebracht hat. Das könnte jedenfalls dafür sprechen, dass dies die ursprüngliche Veröffentlichungsform war. Denn dass die ECC in einer Gesamtausgabe eine bestehende Koloroerung einfach weglässt, fände ich ungewöhnlicher.

Dass Lucky Lucke seinen Gegnern ab einem bestimmten Zeitpunkt die Waffen entweder aus den Händen oder in den Händen kaputt schießt anstatt die Gegner zu erschießen, wie es eher westerntypisch wäre, lag, wenn ich das richtig in Erinnerung habe, daran, dass die französische Jugendschutzbehörde in den 1950er und 1960er Jahren strenge Zensurbestimmungen hatte und in Comics keine Menschen mehr erschossen werden durften. Da dem auch Jerry Spring unterfallen sein dürfte, mag sich diese Parallelität auch so erklären.
Danke, das war mir neu. Interessant zu wissen.
Nullnullsix hat geschrieben: 4. Februar 2023 23:46In dem Band "Den Daltons auf der Spur" gibt's n Kurzauftritt von Jerry Spring
Auch Dir danke für die Information. Das war mir nicht präsent (obwohl ich die Szene natürlich gelesen haben muss); Asterix habe ich halt einfach mehr "drauf" (wenn auch lange nicht "genug", wie mein Abschneiden beim Quiz belegt... ;-))
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Erik
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo,

gestern ist bei mir der Bd. 6 von Jerry Spring aus dem ALL-Verlag - mit der Goscinny-Geschichte "Das Gold des alten Lender" -, dessen Erscheinen eigentlich erst für den 15.03.2023 angekündigt war, eingetroffen. Hintergrund ist wohl, wie ich im ALL-Verlagsforum gelesen habe, dass der Verlag die Comics für zwei Monate, hier nun Februar und März, jeweils gemeinsam drucken lässt.

Das HC-Album ist sehr schön gemacht und vom Äußeren her ganz gewiss ein Mehrwert gegenüber einem Bastei-Heft. Wie von den ALL-Verlags-Gesamtausgaben gewohnt, ist auch hier eine Bibliographie zu den enthaltenen Geschichten vorangestellt. Diese beantwortet auch die von mir oben aufgeworfene Frage, ob die Geschichten ursprünglich in Farbe oder in Schwarzweiß veröffentlicht worden sind. Darin liest man, dass sie ursprünglich, also 1956, vierfarbig in Spirou zum Abdruck kamen. Weshalb man dann auf die Idee gekommen ist, bei der Gesamtausgabe von 2010/2011 (auf Deutsch bei Egmont erschienen) die Farben wegzulassen, erschließt sich mir nicht wirklich - auch wenn die Schwarzweiß-Fassung bei Fans ja offenbar Freunde gefunden hat.

Die Geschichte ist, wie hier bereits erörtert, keineswegs humoristisch. Es geht um die Aufklärung eines Mordes (bzw. später zweier Morde) in einem Western-Setting. Die Geschichte ist durchaus solide, die Auflösung dann eher mäßig überzeugend. Wie zu erwarten, kann man eine "Handschrift Goscinnys" hier nicht herauserkennen, weil der ernste Erzählstil dafür eben zu untypisch für ihn ist.

Die Zeichnungen Jijés sind natürlich gekonnt, das erkennt man auch als Laie. Realistisch gezeichnete Comics kann man nun mögen oder eben nicht so, das tut der Einschätzung ja keinen Abbruch. Etwas unklar ist mir, ob es sich bei der Kolorierung um die Originalfassung von 1956 oder eine neue Kolorierung handelt. Auffällig ist jedenfalls, dass diese Unstimmigkeiten aufweist. So ändert sich Williams Haarfarbe von Seite 55 letztes Bild zu Seite 56 erstes Bild von blond-braun zu weiß. Jerry Springs Hemd, das eigentlich gelb ist, ist auf Seite 60 viertes Bild plötzlich weiß, um im Bild gleich daneben wieder gelb zu sein. Wenn die Farbgebung historisch so ist, dann ist das natürlich in Ordnung, es so abzudrucken. Für eine Neukolorierung wäre es eher ein Zeichen mangelnder Sorgfalt. - Aber gut, auf die Zeichnungen kommt es für die Zwecke dieses Threads ja auch nicht so an.

Neben der bereits erwähnten schönen Aufmachung des HC-Albums mit gutem Papier etc. ist auch das reich bebilderte Vorwort durchaus lohnend und ein Grund, dieser Ausgabe den Vorzug gegenüber der Bastei-Ausgabe zu geben. In dem informativen Text erfährt man einiges über Jijés Zusammenkommen mit René Goscinny. Etwas bedauerlich ist, dass insoweit auch mehrfach auf andere Bände der Jerry-Spring-Ausgabe verwiesen und das Thema letztlich nicht zuende ausgeführt wird. Das ist für eine zusammenhängende Gesamtausgabe aber natürlich legitim. Allerdings hätte ich an sich schon eine Einordnung aller in dem vorliegenden Band enthaltenen Geschichten sinnvoll gefunden. Thematisiert wird aber allein die Geschichte "Das Gold des alten Lender". Über die gibt es wegen der für die Reihe außergewöhnlichen Zusammenarbeit mit Goscinny sicherlich auch mehr zu sagen. Dass zu der Entstehung der anderen Geschichte ("Die Spur in den hohen Norden") überhaupt nichts gesagt wird, ist aber schon etwas schwach. Insbesondere erfährt man, da auch dem Comic selbst und der vorangestellten Bibliographie dazu nichts zu entnehmen ist, nicht einmal, wer die Texte zu dieser Geschichte verfasst hat.

Unter der reichen Bebilderung des Vorworts findet sich erfreulicherweise auch eine Ankündigungs-Annonce für "L'or du vieux Lender" (also dt. "Das Gold des alten Lender"), was eine angenehm abrundende Ergänzung zum Abdruck der Geschichte darstellt. Unerklärt und damit etwas unmotiviert erscheint allerdings der Abdruck mehrerer Schwarzweiß-Comicseiten, die mit Jerry Spring nichts zu tun zu haben scheinen. Aus einem sehr kurzen Text erfährt man lediglich, dass es sich um eine unvollendete, 1973 von Jijé gezeichnete Comic-Geschichte namens "Mein Name ist Nobody" handelt. Weiter wird im Vorwort nicht darauf eingegangen, so dass unklar bleibt, weshalb diese hier (in einem Band mit Comics aus dem Jahr 1956!) zum Abdruck kommt und was ihr Hintergrund ist.

Isoliert betrachtet ist der Comic durchaus interessant, denn es scheint mir inhaltlich sehr eine Comic-Fassung der Italo-Westernkomödie "Mein Name ist Nobody" von 1973 mit Terence Hill (der ja auch den Lucky Luke in der Realverfilmung von "Daisy Town" und einer anschließenden kurzlebigen TV-Serie gemimt hat) zu sein. Auch die Gesichtszüge eines der Protagonisten scheinen mir an Terrence Hill angelehnt zu sein. Allerdings wird in der (deutschen) Wikipedia (auch auf der Diskussions-Seite) zu dem Film nicht erwähnt, dass es eine Comiocversion von Jijé dazu gab oder mal geben sollte.

Für etwas Verwirrung sorgt eine Abbildungsunterschrift auf Seite 7 dieses Jerry Spring-Bandes. Die Abbildung zeigt das Cover der französischen Ausgabe von Jerry Spring 6 "La piste du grand nord", das auch auf Seite 19 nochmals ganzseitig abgebildet ist. Auf Seite 7 steht jedoch darunter: "Bruno Marchand (Schritte ins Licht, Die Träume des kleinen Nemo) hat dieses Hommage-Cover zum vorliegenden Album gezeichnet." In der Tat entspricht das Cover dem des vorliegenden Bandes. Ich vermag aber zu dem auf Seite 19 abgebildeten Original-Cover keinen Unterschied zu erkennen. Selbst wenn es nachgezeichnet sein sollte, was daran ist eine "Hommage"? Das wäre eher eine Kopie.

Ein weiteres Fragezeichen - nunmehr jedoch an der Qualität bzw. der Originaltreue der Übersetzung - hinterlässt ein im Vorwort gebrachtes Zitat einer Aussage von Jean Giraud über die in diesem Band enthaltene Goscinny-Geschichte. Es lautet: "Ich erinnere mich, wie in Das Gold des alten Lender, diesem großartigen Jerry Spring von Jijé und Goscinny, erklärt wird, dass unter den Lebensbedingungen des Wilden Westen die Männer ziemlich früh wie Greise aussahen." - Wird das im französischen Original in der Geschichte erklärt?

In dieser vorliegenden deutschen Fassung heißt es jedenfalls lediglich, Lender sei ein "falscher Greis". Erklärt wird sodann, man könne "das Alter eines Menschen an seinen Händen erkennen, und auch an anderen Details". Zudem heißt es, dass es im Wilden Westen jede Menge junger Männer gebe, die "bei einer Rauferei ein paar Zähne verloren haben", so dass ein zahnloser Mund kein Beleg für ein hohes Alter sei. All das lässt aber eine kritische Bemerkung über die Lebensbedingungen des Wilden Westens, die zu einem Voraltern führten, nicht erkennen.


Dieses Goscinny-Frühwerk ist - wenngleich ich mich glücklich schätze, es nun zu haben - sicherlich auch für Liebhaber von Goscinny-Texten kein Pflichtkauf. Das gilt ebenfalls für ein weiteres Goscinny-Werk, das ich kürzlich erhaltern habe:

In der Goscinny-Bibliographie in der Reddition 34 findet sich unter "Kurzgeschichten in SUPER POCKET PILOTE" der Hinweis, dass ein 4-seitiger Comic von Goscinny mit Zeichnungen von Jean Giraud unter dem Titel "Italo-Western" (frz. "Western italien", SUPER POCKET PILOTE 2, 01.11.1968) in dem Band Comic miniatur 1986 "Frank & Jeremie"" erschienen sei. Das Heft[*] ist unschwer für ein paar Euro antiquarisch erwerblich. Es handelt sich um Bd. 6 der Reihe "Comicothek miniatur", die ein Ableger des Magazins Comic Forum war und sich auf die Publikation von Frühwerken von Comic-Künstlern spezialisiert hatte. In diesem Band 6 sind eigentlich drei Kurzgeschichten der Serie "Frank und Jeremie" von Jean Giraud abgedruckt. Das von Goscinny mitkreierte Werk "Italo-Western" stellt hierzu eine Art Ergänzung dar. Alle Comics in dem Band sind in schwarzweiß abgedruckt.

"Italo-Western" ist keine Comic-Geschichte im eigentlichen Sinne. Es ist eine Art in Bildern vorgetragener Scherz. Im Einleitungstext heißt es sinngemäß, dass immer mehr Italo-Western aufkommen, die von den amerikanischen Western schwer zu unterscheiden seien. Jedoch verrieten gewisse Einzelheiten manchmal die "lateinische Herkunft" der Filme. Es würden nun Szenen präsentiert, die dem Gedankengut der Amerianer einerseits und der Italiener andererseits gutzuschreiben seien. Der Leser solle herausfinden, welche der Szenen wem angehöre. Es folgen dann sechs eher textarme Bildpaare, die jeweils eine entsprechende Szene zeigen, bei denen sich die beiden Bilder aber in Einzelheiten unterscheiden, so dass man sie klischeehaft dem US- oder dem Italo-Western zuordnen kann. Dabei steht nicht etwa der "Rätselspaß" im Vordergrund, sondern es ist zumeist sehr offensichtlich, welche Szene welchem Westerntyp zuzuordnen ist (z.B. läuft ein Indianer einmal an einem Kaktus und einmal an einer abgebrochenen antiken Säule vorbei, einmal hängt das Bild einer leicht bekleideten Dame im Saloon und einmal das Portrait eines Priesters oder des Papstes).

Auch hier ist schon mangels Text und mangels Länge kein besonders typischer Goscinny-Humor auszumachen, wenn auch die Gegenüberstellungen teilweise ganz lustig sind und ein gekonntes Spiel mit Klischees zeigen. "Scenario de Goscinny - Dessin de Gir." steht aber darüber, so dass an der Urheberschaft auch in der deutschen Ausgabe kein Zweifel besteht. Letztlich war es für ein paar Euro kein Fehlkauf, ist aber auch kein Sahnestück, ohne das man nun viel verpasst hätte.

Gruß
Erik

[*] Es ist eigentlich wohl kein Heft, sondern gelumbeckt in kartoniertem SC-Einband, mit Schutzumschlag und Rückenbeschriftung. Allerdings fällt es mir etwas schwer, eine DIN A5 Publikation als "Album" zu bezeichnen.
"Alle sollt ihr noch sehen, daß ich habe recht!" (Erik der Blonde, Die große Überfahrt, S. 5)
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag bdhk »

Erik hat geschrieben: 4. März 2023 18:35Etwas unklar ist mir, ob es sich bei der Kolorierung um die Originalfassung von 1956 oder eine neue Kolorierung handelt. Auffällig ist jedenfalls, dass diese Unstimmigkeiten aufweist. So ändert sich Williams Haarfarbe von Seite 55 letztes Bild zu Seite 56 erstes Bild von blond-braun zu weiß. Jerry Springs Hemd, das eigentlich gelb ist, ist auf Seite 60 viertes Bild plötzlich weiß, um im Bild gleich daneben wieder gelb zu sein. Wenn die Farbgebung historisch so ist, dann ist das natürlich in Ordnung, es so abzudrucken. Für eine Neukolorierung wäre es eher ein Zeichen mangelnder Sorgfalt.
Bei Bastei ist das jeweils nicht so - Haare durchgängig braun, Hemd durchgängig gelb.

Somit sind zwei Szenarien vorstellbar: Original falsch, Bastei korrigiert, All nimmt Original auf; oder: Original richtig, Bastei übernimmt richtig, All macht Fehler. Mein Tipp wäre die erstere Variante.
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Brando1988 »

Erik hat geschrieben: 4. März 2023 18:35 Weshalb man dann auf die Idee gekommen ist, bei der Gesamtausgabe von 2010/2011 (auf Deutsch bei Egmont erschienen) die Farben wegzulassen, erschließt sich mir nicht wirklich - auch wenn die Schwarzweiß-Fassung bei Fans ja offenbar Freunde gefunden hat.
Im ersten Band der Gesamtausgabe wird darauf eingegangen. Der Verlag entsprach damit dem Wunsch Jijes und seiner Nachkommen. So wollte Jije seinen Jerry Spring immer in schwarz-weiß. Hat ihn auch so angelegt. Er orientierte sich da sehr an Holz - und Linolschnitte, mit denen er in den 30er Jahren viel experimentierte. Das ist auch der Grund, weshalb er nicht sparsam mit dem schwarzen Pinsel umging. Er wollte eben diesen Effekt irgendwie in die Comicwelt übertragen.

Wie man das selbst natürlich findet, ist natürlich Ansichtssache.
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Erik »

Hallo Brando,
Brando1988 hat geschrieben: 6. März 2023 20:22Im ersten Band der Gesamtausgabe wird darauf eingegangen. Der Verlag entsprach damit dem Wunsch Jijes und seiner Nachkommen. So wollte Jije seinen Jerry Spring immer in schwarz-weiß. Hat ihn auch so angelegt.
danke für die interessante Erläuterung. Dann hat Jijé sich anscheinend bei der urspünglichen Veröffentlichung (in Spirou) damit nicht durchsetzen können und die Erben haben nunmehr - bei der Gestattung der ALL-Ausgabe - nicht mehr daran festhalten wollen. Aber es ist da gut, dass es dann je eine Version für jeden Geschmack gibt bzw. geben wird. Solche Auswahl hat man ja nicht überall.

Gruß
Erik
"Alle sollt ihr noch sehen, daß ich habe recht!" (Erik der Blonde, Die große Überfahrt, S. 5)
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Nullnullsix
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

Ich weiß jetzt nicht, wie es speziell bei Jerry Spring war, aber ich möchte dran erinnern, dass wir hier grade generell von einer Zeit sprechen, in der Zeichner noch Zeichner waren, sprich: gezeichnet haben. Mit Tinte auf Zeichenkarton. Die Colorierung kam zum Einen nicht zwingend vom Zeichner selbst, zum Anderen zuweilen auch gar nicht (s/w), bzw. aus Kostengründen nur mit einer Zusatzfarbe... - Ggf. wusste Jijé beim Zeichnen auch noch gar nicht, wie es später gedruckt werden würde und dann macht es -unabhängig von ner persönlichen, ästhetischen Vorliebe- auch Sinn, 'für s/w' zu konzipieren, weil, das sieht dann in s/w gut aus und nicht bedeutend schlechter, wenns dann doch eingefärbt wird...

Nur mal zum Beispiel:
So sah die monochrome erste Seite überhaupt von Michel Vaillant in der Magazin-Version in Tintin aus:
Bild
...und so dann in einer neu colorierten Version für eine Veröffentlichung im Album, Jahrzehnte später:
Bild
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!
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Nullnullsix
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Re: Werke mit Goscinny-Beteiligung

Beitrag: #Beitrag Nullnullsix »

PS: Und hier kann man sich durch die vierseitige Geschichte in der Tintin-Version durchklicken:

https://www.delcampe.net/de/sammlerobje ... s#tab-bids

...und stellt fest: Die ersten beiden Seiten waren bei Erstveröffentlichung monochrom, die nächsten beiden vierfarbig... - Kaum anzunehmen, dass Graton schon beim Zeichnen gewusst hat, welche Seiten in welcher Stelle im Magazin, und damit wie gefärbt, sein würden...
Eigentlich hätte was passieren müssen, als ich auf den Knopf drückte!